10. Kleiner Pudel, „Nang-i-Lat v. Sadowa” 4324. Züchter: Wolf, Berlin. Besitzer: Pudelzwinger Sirius (Frl. Flora Kalender) Ebersteinburg bei Baden-Baden.

11. Französ. kleine Bulldogge, „Jubicka Patzig”. Züchter u. Besitzer: Frau Flora Kunstmann, Murnau-München.

12. Blenheimspaniel, „Darling v. Ravensburg”. Besitzer: Theo Krumm, Ravensburg.

Bilder sollen für sich selbst sprechen und keine Erklärung benötigen. Unsere kurzen Ausführungen gelten auch nicht ihnen, sondern den dargestellten Hunden, deren Züchtern oder Besitzern. Unter etwa 100 Aufnahmen von nahezu gleicher technischer Vollendung, die eine Spezialität des Münchener Tierphotographen A. Dauer,Briennerstr. 17 ist, wurde nur ein Dutzend ausgewählt teils weil sie hervorragende, verdienstvollste Zuchttiere waren oder noch sind (wie Nr. 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9 u. 10), teils weil sie charakteristisch für die erfolgreichen Zwinger sind, aus denen sie hervorgingen oder in welchen sie heute noch stehen und wirken. Nicht mehr aktuell, da sie eine frühere Generation darstellen, sind nur zwei Bilder (1 u. 12). Im Bild der St. Bernhardshündin Champion Fatime ehren wir den vor einigen Jahren verstorbenen Altmeister Hch. Boppel, Cannstadt dem diese Rasse zu unauslöschlichem Dank verpflichtet ist. Gerade in dem Charakteristischen dieser Rasse dem seelenvollen Ausdruck, ist die Aufnahme kaum zu übertreffen. Dasselbe gilt von dem letzten Portrait, des kleinen weißroten Blenheimspaniel Darling, was die Darstellung eines nich mehr lebenden Siegers entschuldigen mag. Trotzdem bleiben diese zwei Abbildungen immer lebendig. Mit der Zusammenstellung und Auswahl der Rassen, unter etwas 40 solcher, sollte zugleich dem Anfänger ein Wink gegeben werden. Die Riesen der Hundewelt, den mächtigen St. Bernhardshund und die kraftvolle Dogge, verpflanze man nicht in die Großstadt und Mietwohnung, wo sie verkümmern. Im Garten, Park, Lagerplatz, Fabrikhof, auf auf dem Lande, wo sie wachen und zugleich schützen, sind sie am Platze. Die gelbe Dogge Rolf (Nr. 2) ist aus dem ersten Doggenzwinger des Südwestens hervorgegangen, dessen Zuchtideal Verbindung von Größe und Adel ist. Auch Polizeihundrassen, wie der so dressurwillige und wuchtige Airedale, dem Energie aus den Äugen leuchtet, oder der schneidige Dobermannpinscher benötigen Auslauf und Arbeit; sie sind keine Zimmerhunde. Zetland Recruit (Nr. 4) zeigt die Rassig

keit der Importation, mit der von Zeit zu Zeit unsere festländische Zucht kluger Haushunde aufgefrischt werden muß. Wem Rauhhaar etwas mühsam in Behandlung ist, der wählt den Dobermann im kurzen, glänzenden Gewand. Sieger Salto v. Rottal (Nr. 3) entstammt der Zucht des niederbayerischen Kenners edler Hunde, Jos. Schweiger in Pfarrkirchen. Leichter und flotter als der Dobermann ist der englische Windhund, auch zur Pflege von Rennsport geeignet, ein eleganter, sauberer Haushund, der in Dr. Erb, Gießen, einen sachverständigen Förderer gefunden hat. Unter den Bildern fehlt der Schäferhund, der mehr als Haushund ist. Eine einzige Aufnahme von ihm würde der Verbreitung und Vielseitigkeit nicht genügend Rechnung tragen. Das erfolgt dafür in einem stattlichen Sonderwerk im gleichen Verlag: „Der deutsche Schäferhund in Liebhaberhand” in weitestgehender Weise. Hingegen durfte unter den Haushunden im engeren Sinne der kleinere, stämmige Münchener Boxer nicht fehlen, der seine Anspruchslosigkeit an Raum der Mietwohnung anpaßt. Er quittiert nicht durch Nervosität wenn er einmal während einiger Regenwochen den geliebten Auslauf entbehrt, ist klug, gelehrig; doch wenn nötig, stellt er seinen Mann. Etwas phlegmatischer ist die breite, niedrige, englische Bulldogge (Nr. 7), Knochen, ein Stiernacken, dunkle Falten, vorstehender, breiter Unterkiefer lassen sie drohend erscheinen, während sie der gutmütigste Hausgenosse ist. Ihr Antipode, ganz Temperament, das ihn manchmal fortreißt, wenn er nicht beschäftigt wird oder er keine Hand über sich weiß, ist der drahthaarige Foxterrier. Richtig geleitet eine Perle und ebenso gefälliger, wie lebhafter Begleithund. Etwas beherrschter, klug und dressurwillig ist der deutsche Schnauzer. Sieger Strupp (Nr. 9) entstammt der Zucht, von Wilh. Stierle in Pforzheim. Der Vollendetste Familienhund für die Großstadt ist her kleine Pudel (fälschlich Zwerg genannt), Boxer nd Pinscher haben etwas über Stuhlsitzhöhe, der Pudel steht um eine Handbreite darunter. Er ist ganz Gemüt, von überraschender Intelligenz, dabei ein

kluger Wächter, dem nichts entgeht, der aber auch nie aus Übereifer Lärm schlägt wie der cholerische Spitz. Zur Vollendung ist der kleine Pudel durch Zwinger Sirius (Frl. Flora Kalender, Neckarsteinburg) gebracht. Ihr Stamm basiert auf Champ. Nang-i-Lat (Nr. 10); mindestens ein Dutzend dieser Schwarzen tummelt sich beständig in dem auf waldigem Bergesgipfel gelegenen Zwinger. Der Clown unter den Hunden, grotesk in der Form, immer freudig erregt, ist die Moderasse der französischen Bulldogge, von der zwei Schläge, eine geströmte und weißbunte (Caille) existieren. Der Klub für franz. Bulldoggen mit Sitz in München, wo auch die abgebildete „Jubicka” (Nr. 11) gezüchtet ist, hat diese Auslandsrasse eingeführt und zu einer der französischen Zucht jetzt mindestens ebenbürtigen Höhe geführt. Unter den zahlreichen Zwerghundrassen, von denen die des glatthaarigen Zwergpinschers die verbreitetste, die des Affenpinschers die härteste ist, dürfte die Palme der Schönheit den langhaarigen Seidenhunden (Malteser, Toyspaniels) gebühren. Fremdartiger noch sind die Chins und Pekingesen. In bestechender Farbe, weiß mit orangeroten Platten, seidigschlichter Behaarung, klugem Gesichtseindruck steht der Blenheim (Nr. 12) an der Spitze der 4 Toyspanielarten. Doch äußere bestechende Schönheit macht nur einen kleinen Teil des Wertes unserer vierfüßiigen Lieblinge aus. Die Hauptsache sind ihre innersten Eigenschaften, ihre Charakter- und Gemütsanlagen, die wir durch Erziehung wecken und zur Entfaltung bringen, durch Dressur in nützliche Bahnen lenken.


Anmerkungen zur Transkription.

Nur eine sehr kleine Anzahl offensichtlicher Rechtschreibfehler wurden korrigiert. Grenzfälle wurden belassen um eine möglichst genaue Repräsentation der Erstausgabe von 1924 zu erstellen.