Steigen wir zum Schluß auf den kleinen Glockenturm, so übersehen wir noch einmal das liebliche Idyll, das zugleich so welthistorische Personen in sich gesehen hat und Zeuge so großer Ereignisse gewesen ist. Ein reiches Mönchskloster des Mittelalters, die Grabstätte mächtiger Fürstengeschlechter, der erste Schritt zur Erlösung des meerumschlungenen Landes, die rauschende Linde, unter der in grauer Vorzeit Gericht gehalten wurde — alles das vereinigt das kleine Bordesholm in sich. Alles ist dahin, nur die Natur ist ihm geblieben, die es herrlich umgiebt, und die uns an den Ausspruch des Dichters gemahnt:

„States fall, arts fade, but Nature does not die.“

FUSSNOTEN:

[9] geb. 1700, gest. 1739, begraben in Bordesholm.

[10] König von Dänemark, Schwager Kaiser Karls V., Urheber des berüchtigten Stockholmer Blutbades.

XII.

Auf Seeland.

I.

Zu König Gylfe in Schweden kam einst eine wandernde Sängerin, die ihn durch ihre Lieder entzückte. Der König — so meldet die Sage von der Entstehung der Insel Seeland — verlieh ihr zum Lohne für ihren Gesang so viel Land, als sie mit vier Ochsen auf einmal umpflügen könnte. Wie erschrak er aber, als die Fremde, die niemand anders war, als das Riesenweib Gefion, ein gewaltiges Stück Land aus dem Boden herauspflügte und es von ihren Ochsen ins Meer ziehen ließ, wo es als „Seeland“ stehen blieb. Die Pflugfurche bildete den jetzigen Oeresund, der Schweden von Seeland trennt, während an der Stelle, wo das Land weggepflügt war, ein großer See entstand: der jetzige Wener-See. Noch heutigen Tages lassen seine Uferlinien deutlich die Umrisse der seeländischen Küste erkennen.

Wer möglichst schnell einen großen Teil der Hauptschönheiten der Gefions-Insel kennen lernen will, besteigt einen der bequem eingerichteten Raddampfer, der in dreistündiger Fahrt von Kopenhagen gen Nord bis Helsingör und nach dem gegenüberliegenden schwedischen Helsingborg fährt. Er bleibt der seeländischen Küste immer so nahe, daß man sie deutlich und in aller Muße sehen kann, während die schwedische Küste rechts in blauer Ferne herüberschimmert.