Es ist für den Fremden schwer, sich durch die vielen Friedriche und Christiane durchzufinden, da diese beiden Namen fortwährend wiederkehren. Eine gewisse Erleichterung wird dadurch herbeigeführt, daß sie regelmäßig abwechseln, so daß auf einen Christian ein Friedrich folgt und auf einen Friedrich ein Christian. So wird auf den jetzigen Christian IX. der Kronprinz Friedrich folgen. Auch die Namen von Städten und Schlössern sind so häufig mit diesen Namen zusammengesetzt, daß Verwechslungen leicht vorkommen. Da giebt es Frederiksberg und Frederiksborg, Frederiksdal und Frederikssund, Frederiksvaerk und Frederikshald, Frederiksvand, Frederiksstad, Frederikshavn, Fredericia, und andererseits Kristiansborg, Kristianssund, Kristiansstad, Kristiansand und Kristiania. Auch die vielen Denkmäler in Kopenhagen, die meist Königen mit diesen beiden Namen gelten, sind schwer auseinander zu halten.

Als der Küster, der nur schlechtes Deutsch radebrechte, hörte, daß wir aus Flensburg seien, wurde er noch freundlicher. Man rechnet in Dänemark Flensburg (Flensborg) immer noch halb und halb zum Reiche und betrachtet die armen Flensburger als Märtyrer der guten dänischen Sache, die unter der preußischen Fuchtel seufzen. Bei uns traf das nun freilich gar nicht zu, allein der Küster ließ uns keine Zeit, ihn darüber aufzuklären, sondern winkte uns, indem er sagte: Wenn Sie aus Flensburg sind, dann wird Sie dies hier besonders interessieren. Damit zeigte er uns einen Kranz mit rotweißer Schleife samt Widmung, den vor einigen Jahren eine Schaar Flensburger Jungfrauen hier niedergelegt hatte. Ueberall waren sie freundlich, ja begeistert aufgenommen und bewirtet worden als unterdrückte Landsleute, und die Bande zwischen den dänisch denkenden und fühlenden Nordschleswigern und Dänemark waren dadurch wieder fester geworden. Uebrigens sind die dänisch Gesinnten gerade in der Stadt Flensburg in ganz erheblicher Minderheit; nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung bedauert die Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche.

Nachdem wir die Grabkapellen zum größten Teile besichtigt hatten, ließen wir noch einmal das majestätische Domgewölbe und den herrlichen Chor auf uns wirken. Zwanzig starke Pfeiler tragen das Mittelschiff, dessen Gewölbe 25 Meter hoch ist. Die Seitenschiffe haben eine höhe von 12-1/2 Meter. Die Länge der Kirche ist 76 Meter, die Breite 25 Meter. Die beiden Westtürme sind 76 Meter hoch, der dritte Thurm oberhalb des Chores 60 Meter. In dem nördlichen Turm der Façade befindet sich die große Glocke, welche 5-1/2 Meter im Umfange mißt.

Etwas abseits, unter einem einfachen Stein, ruht der Geschichtschreiber Saxo Grammaticus († 1207), der die alten Sagen vom dänischen Tell aufgezeichnet hat.

An der Westseite des Hochthores befindet sich die Alabasterfigur des 1363 gestorbenen 19jährigen Sohnes des Königs Waldemar, des Bruders der berühmten Margarete: er fiel in einer Seeschlacht gegen die Hanseaten. In der Sakristei sind die Portraits vieler Roskilder Bischöfe zu sehen, darunter auch das des 1884 verstorbenen Martensen, der durch seine Werke (Christliche Ethik) auch in Deutschland bekannt geworden ist. Bemerkenswert ist noch das künstliche Uhrwerk, welches aus dem 15. Jahrhundert stammt, das einzige in Dänemark, sowie die spätgothischen Chorstühle mit originellem Holzschnitzwerk, welches Scenen aus dem Alten und Neuen Testament darstellt.

Fährt man mit einem Dampfer den Roskilder Fjord hinauf, so kommt man nach dem Schlosse Jägerpris, wo in idyllischer Abgeschiedenheit König Frederik VII mit seiner Gemahlin, der Gräfin Danner, einer ehemaligen Buchmacherin, die Sommermonate zubrachte. Im Garten des Schlosses ruhen ihre Gebeine, denn als morganatische Gattin konnte sie nicht in dem ehrwürdigen Königsdom zu Roskilde beigesetzt werden.

XIII.

Friedrichsruh[11]

Von Hamburg kommend, zogen wir es vor, statt direkt bis Friedrichsruh zu fahren, schon eine Station vorher auszusteigen und die halbe Stunde zu Fuß nach dem Ziel unserer Reise zu wandern. Wir hatten dadurch den Vorteil, ein gutes Stück des prachtvollen Sachsenwaldes, dessen Mittelpunkt Friedrichsruh ist, kennen zu lernen. Auf gut gepflegten Fußpfaden ging es durch das geheimnisvolle Waldesdunkel; hochragende Buchen, knorrige Eichen wiegen vor, dazwischen mächtige Farrenkräuter, hie und da Heidelbeerkraut. An vielen Bäumen sind Nistkästen für Vögel angebracht. Lautlose Stille; nur ein Bächlein, die Aue, murmelt unten und bildet ein helles, liebliches Wiesenthal, welches zwischen den Baumstämmen hindurchschimmert; wo sich das Wasser in breiteren Becken ansammelt, da ist es von gelben, nickenden Wasserrosen bedeckt, den sogenannten „Mummeln“.

Ab und zu ladet eine Bank zum Sitzen ein; allein wir lassen uns nicht aufhalten, sondern gehen schnell weiter; haben wir doch kein gutes Gewissen, denn an unserem Pfade steht das Wort „Verboten!“, welches hier, in des Fürsten eigenstem Spaziergebiet, öfters wiederkehrt.