Das Leben an Bord spielt sich in regelmäßiger Weise ab. Der Tag zerfällt in 7 Wachen, die abwechselnd geführt werden und je 4 Stunden dauern, mit Ausnahme der von 4 bis 8 Uhr nachmittags, die in 2 zerlegt wird. Dies geschieht, damit nicht immer dieselben Leute vormittags und dieselben nachmittags Wache haben. Die nächsten 4 Stunden sind der Ruhe gewidmet. Also beispielsweise hat der 1. Steuermann von 12 Uhr nachts bis 4 Uhr früh die Wache mit 3 Matrosen, der 2. Steuermann von 4 bis 8 Uhr; ebenso ist es bei den Maschinisten. Jede Stunde wird die Schiffsglocke geschlagen, und zwar um 1 Uhr zwei mal, um 2 Uhr viermal, 3 Uhr sechsmal; 4 Uhr achtmal; diese Schläge werden Glasen genannt; der Ausdruck stammt aus der Zeit der Sanduhren. Uebrigens werben auf Kauffahrteischiffen in der Regel nur diejenigen Zeiten durch die Glocke kenntlich gemacht, die für die Mannschaft von Wichtigkeit sind, also die Eßzeiten und die Ablösung der Wachen.
Jeden Morgen wird das Mitteldeck gewaschen, mag es schmutzig sein oder nicht, mag es regnen oder schneien oder die Sonne scheinen.
Die Fahrgeschwindigkeit wird mit dem Logg gemessen. Es giebt verschiedene Arten desselben, vom Handlogg an bis zu dem komplizierteren, selbstarbeitenden Patentlogg. An Bord der „Mira“ befindet sich das Garlandsche Logg, dessen Beschreibung hier folgen mag.
Es besteht aus einem Uhrwerk, einer etwa 30 m langen Leine und einer messingenen Schraube mit 4 Flügeln. An der Leeseite (Lee die vom Winde nicht getroffene Seite; Gegensatz: Luv) wird eine etwa 4 m lange Stange herausgesteckt und an dieser wird das Uhrwerk befestigt, während die Schraube ins Wasser geworfen wird. Durch die Fahrt des Schiffes dreht sich die Schraube und überträgt durch die Leine ihre Umdrehungen auf das Uhrwerk, welches mit Zeigern wie an einer gewöhnlichen Uhr versehen ist; auf dem Zifferblatt kann man nun die Anzahl der zurückgelegten Seemeilen ablegen. Dieses Logg hängt Tag und Nacht bei jedem Wetter hinaus.
Die Mahlzeiten werden ganz wie am Lande eingenommen; bei sehr stürmischem Wetter werden hölzerne Rahmen auf den Tisch gelegt, in welche die Teller gestellt werden, damit sie nicht umfallen.
Die Bewegung des Schiffes von hinten nach vorn (bei direktem Gegenwinde) nennt man Stampfen; die seitliche Bewegung (bei seitlichem Winde) Rollen oder Schlingern. Die Seekrankheit soll besonders durch das Stampfen befördert werden.
Bei Unsicherheit über die Tiefe des Wassers wird gelotet. Das Lot ist ein 20 bis 40 Pfund schwerer Bleiklumpen, der unten ein Loch hat. In dieses wird Talg geschmiert, damit Sand oder Muscheln daran festkleben und man einen Anhalt über die Art des Grund und Bodens erhält. Das Lot wird an einer Leine heruntergelassen, wobei das Schiff natürlich nicht in Bewegung sein darf und die Maschine zu arbeiten aufhört.
Windstärke, Seezeichen, Verständigung auf See, sonstige Eigentümlichkeiten.
Der Franzose Beaufort hat folgende Tabelle für die Windstärken aufgestellt, die allgemein angenommen ist:
Windstille = 0
Sehr leichter Wind = 1
Leichter " = 2
Schwacher " = 3
Mäßiger " = 4
Frischer " = 5
Starker " = 6
Steifer " = 7
Stürmischer " = 8
Sturm = 9
Starker Sturm = 10
Heftiger " = 11
Orkan = 12