Um vier Uhr übergab sie ihm einen Scheck, um viertel fünf erschien Anschütz, von Edgar durch ein anonymes Telegramm bestellt. „Bin ich zugrunde gegangen,“ sagte er zu Esther, während der Mann an der Tür pochte, „dann wenigstens nicht allein.“
„Warte ab“, sagte Esther, sie trat Anschütz mit Unbefangenheit entgegen. „Mein Jugendfreund“, sagte sie, wie sie vor Jahren zu dem dienenden Weib gesagt hatte. „Mein Bruder.“ Anschütz ging scheinbar beruhigt mit Esther fort, Edgar wurde seiner Infamie nicht froh, das Geld wurde ihm nicht ausgezahlt, Esther hatte es gesperrt.
Edgar konnte ohne Geld die verhaßte Stadt nicht verlassen. Er bekam nach langem Suchen eine Stelle als Hilfschemiker in einer Anstalt, wo man Kot, Urin, Auswurf chemisch untersuchte, aber auch zu dieser Arbeit ließ man ihn nur widerwillig zu, da ältere Kräfte wie er als schwer behandelbar galten. Und dann, was konnte ein Mensch leisten, der es in Edgars Alter zu keiner Position gebracht hatte und sich in den Zeitungen anbot?
In der Mitte des Sommers traf Edgar Esther. „Du bist immer noch hier? Konntest nicht fort. Ich bin unschuldig. Anschütz hatte Verdacht, es durfte kein größerer Betrag auf geheimnisvolle Art ausgegeben werden, du verstehst.“
„Aber du hast doch den Scheck schon vorher gesperrt.“
„War es nicht gut für mich? Ich kannte dich.“
„Willst du mich jetzt gehen lassen?“
„Hast du keine Zeit für mich? Ich könnte dir manches erzählen, komm mit mir ins Freie, in den Wald, wo wir damals waren, erinnerst du dich?“
Während der Fahrt: „Wie lebst du? Du siehst nicht gut aus, bist du denn wirklich krank? Deine Erfindung? Dein tägliches Brot?“
„Ich untersuche, was die Menschen auswerfen, sie bringen Kot in kleinen Töpfen von Liebigs Fleischextrakt, eitrigen Speichel in Wassergläsern, die mit einem Taschentuch oben zugebunden sind, und anderes —, aber genug, auch so kann man leben.“