Abb. 20. Amb. Francken, Die Hinrichtung der Heiligen: Crispin und Crispinian.

Etwa hundert Jahre nach David malte Ambrosius Francken in Antwerpen den Märtyrertod der h. Crispinus und Crispinianus. (Abb. 20). Wieder bleibt die Wahl gerade einer so ausgesucht furchtbaren Hinrichtung belgischen Bestellern und Malern vorbehalten. Diesmal ist die Ruhe der Gemarterten auffallend, die Unruhe, das Entsetzen der Henker und Zuschauer erscheint unmotiviert. Die physiognomischen Motive gibt die Legende: die ausgeschnittenen Hautpfriemen springen wunderbarerweise auf die Henker zurück. Sie erschrecken, fühlen sich gefoppt.

Es ist unmöglich, die Kette vortrefflich gemalter belgischer Bilder der Grausamkeit zu verfolgen.

Natürlich blieb Rubens ungestümes, auf stärkste künstlerische und seelische Wirkung berechnetes Schildern so vieler Schlachten und Martyrien umso mehr von Einfluß auf die ganze folgende Zeit, als ja ein Heer von Stechern und von Nachahmern der oft umgeänderten Stiche gerade die pathetischsten Werke des großen Flamen in alle Welt verbreiteten.

Im letzten Jahrhundert suchte ein großer Schwärmer, aber schlechter Maler in Brüssel als kongenialer Folger des Rubens zu gelten: Anton Wiertz.

Sein Museum ist, zumal für Künstlerische, eine gemalte Folterkammer. Er will entsetzen, will durch kaum auszudenkende Bilder verblüffen. Er wollte noch mehr grauenerregende Bilder schaffen als alle vor ihm. Er malt Napoleon in der Hölle, das Grauen der Cholera, Hölle und Krieg, Wahnsinn, Verbrechen und Tod.

Der Scheintote (Abb. 21), der den Deckel seines Sarges zu heben sucht, dessen Rechte den Betrachter des Bildes zu erreichen sucht, das sind Bilder, die wohl eher in ein Panoptikum gehören als in eine Galerie, die aber doch unverkennbare Epigonen sind Bosch's und Brueghels und Rubens', der Unerreichbaren.

Denn wie diese, nur immer zu unkünstlerisch, absichtlich knüpft auch Wiertz gern an Ereignisse seiner Zeit, an Dinge, die er erlebt.

»Die Ohrfeige einer belgischen Dame« (Abb. 22) ist ein Bild, geboren aus der Erinnerung an die französischen Eroberer Belgiens, die anders vorgingen als unsere Helden. So zeichnete ein Belgier die Belgierinnen! –