Das Künstlerische und das Volkseigene lassen sich bei Brouwers Bildern nicht trennen, nicht mit allen Pinzetten und Goldwagen der Gelehrtentüftelei.
Ob Maler, ob Volk, der Flame liebt die Farben als Farben, ob Kittel, ob Haar, ob Wein, ob Rauch. Er liebt die Formen des Lebens, also nicht die hergerichteten, ausgeglichenen, aus Konvention schon genannten. Konvention und Künstlertum hassen sich.
Wie sehr in Brouwers Kunst auch höchster Volkssinn lebt, zeigt der fast beispiellose Erfolg des Malers Niemals war ein Erfolg künstlerisch verdienter. Niemals so frei von allen anderen Einflüssen. Denn liebenswürdig war Brouwer nicht. Seine kleinen, – zunächst sehr bunten – lokalfarbigen Bilder werden bald so hoch bezahlt, wie die großen des Rubens. Mit 24 Jahren ist Brouwer berühmt.
Abb. 44. Hemessen, Lockere Gesellschaft.
Phot. F. Bruckmann A.-G., München.
Doch Besitz galt ihm nichts. Der floß in die Kehle.
Als er mit 33 Jahren stirbt, hinterläßt er an Wäsche nur einen Kragen, fünf Manschetten und – kein Hemd.
Wer Belgiens Geschichte und Belgiens Kunstgeschichte nur in den Höhepunkten vergleicht, wird finden, daß die Kurve dieser meist hoch steht, wenn die Höhe jener sich senkte oder noch kaum wieder sich zu heben anfing.
So wird Brouwers Schicksal zur Allegorie: Die Kunst Belgiens ist häufig genug ein Phönix aus der Asche.
Man hat in Brouwers Malerei viel Holländisches festgestellt.