Ich lachte laut auf. »Aber ich bin doch kein Professor!«
»Das macht nichts, Professor. Wollen Sie uns Stunden geben?«
»Wem? Ihnen, Madame?«
»Hören Sie. Der große kalifornische Lehrerinnenverein will im Herbst eine Europareise machen und natürlich auch Deutschland besuchen. Mit Ihrer praktischen Art können wir schnell noch ein wenig Deutsch lernen. Ich arrangiere alles, Professor. Es darf aber nicht viel kosten!«
Und sie arrangierte!
Ich glaube, die Professoren des Gymnasiums von Burghausen wären in corpore aus der Haut gefahren vor entsetzt ungläubigem Staunen, hätten sie mich abends auf dem Katheder eines großen Schulzimmers der höheren Mädchenschule von San Franzisko stehen sehen können! Vor einer Hörerschar von über fünfzig reizenden jungen Lehrerinnen! Frechheit, steh' mir bei, dachte ich in verzweifeltem Galgenhumor und ließ eine pseudowissenschaftliche (ganz und gar aus den Fingern gesogene) Erklärung vom Stapel, in der ich mein Betriebskapital von gleichlautenden Worten den "gemeinsamen anglosächsischen Sprachschatz" nannte und sehr wichtig tat. Dann löste sich die Befangenheit. Aus der Unterrichtsstunde wurde ein lustiges Frage- und Antwortspiel –
»Uasser, Professor?«
»Nein, W–asser!«
Bis der Professor zu den Bänken hinabstieg und die schweren deutschen Worte seinen Schülerinnen vorsprach. Diese Schülerinnen waren ja reizend! Eine hübscher als die andere – eine lustiger als die andere. Typisch in ihrer Art als Amerikanerinnen. Freilich – der neugebackene Herr Professor sah in ihnen gar nichts Typisches, sondern nur die lustigen netten Frauen!
Aber schon in dieser Lustigkeit lag die ganze freie Art der Amerikanerin, die von Kindesbeinen an daran gewöhnt wird, mit dem andern Geschlecht in formloser Kameradschaftlichkeit zu verkehren und das Problem von den Wechselbeziehungen zwischen Mann und Frau nicht in jedes harmlose Gespräch hineinzutragen. Nicht als ob sie nicht ganz Frauen gewesen wären, diese jungen Amerikanerinnen, mit allen Größen und allen Kleinlichkeiten, allen Tugenden und Untugenden des Frauentums! Sie beherrschten das System der drahtlosen Telegraphie mit schönen Augen meisterhaft und flirteten schändlich mit dem Lausbub von Professor! Doch in dem Wesen dieser jungen Lehrerinnen, von denen die meisten keine zwanzig Jahre zählten, prägte sich etwas gewaltig Selbstbewußtes aus. Nicht das Selbstbewußtsein der selbständigen Frau, die ihr eigenes Geld verdient. Darüber lachten sie. Zuckten die Achseln und meinten, es sei grinding work – aufreibende Arbeit und sie wären viel lieber verheiratet. Nein, das Selbstbewußtsein des Weibes steckte in ihnen, das sich seiner Macht über den Mann wohl bewußt – stolz darauf ist – und die Ritterlichkeit des Mannes als einen selbstverständlichen Tribut gnädig in Empfang nimmt.