»Hello, Jack!«

»Selber Hello!«

»'rauf oder runter?« (Hinauf hieß "nach Westen"; hinunter "nach Osten"!)

»Hinauf!«

»Hm, ihr nehmt die nächste "Schnelle", nich?« (Das bedeutete den fälligen Eilfrachtzug.) »Paßt lieber auf – hundert Meilen zurück haben sie im Fahren abgestoppt und uns mitten auf der Strecke den Boden küssen lassen!« (Das hieß, daß die Tramps entdeckt und bei verlangsamter Fahrt vom Zuge geworfen worden waren.) »Habt ihr vielleicht gesehen, ob der Lokale leere boxcars hat? Ja? Das is' allright. So long, Jack!«

Das waren so Fachausdrücke. Die Tramps sprachen niemals vom Ort ihrer Bestimmung, sondern sie reisten einfach »die Linie hinauf oder hinunter.« Die Riesen-Eisenbahnlinien des Landes bezeichneten sie als etwas Altvertrautes nur mit den Anfangsbuchstaben: S. F. (Santa Fé) U. P. (Union Pazific) S. P. (Southern Pazific) oder mit Spitznamen, wie die berühmte Käte, wie die Kansas und Texas Eisenbahn genannt wurde. Ihr Reisen hießen sie jumping, springen; Stationen bezeichneten sie nicht mit Namen, sondern sagten: Nächster stop, zweiter, fünfter stop die Linie hinauf oder hinunter. In einem Frachtwagen zu fahren, hieß – eine Leere springen; auf dem Postwagen: den Blinden springen … Verballhornt wie die Eisenbahnausdrücke war auch ihre ganze Sprache, ein heruntergekommenes Englisch. Als müßten sie ihr Sprechen ihren Verhältnissen anpassen, denn abgerissen, zerlumpt, heruntergekommen sahen fast alle aus. »Arme Teufel,« pflegte Billy zu sagen. »Arme Teufel sind's und dumme Teufel! Und geht es einem auch noch so schlecht … das letzte Geld darf niemals in den Magen wandern, sondern muß auf den äußeren Menschen verwandt werden! Der saubere Rock ist stets die Brücke zu den Dingen des Lebens. Er gibt äußere Gleichberechtigung mit jedem Menschen. Wer sich den sauberen Rock nicht bewahrt, ist ein Narr!«

Städtchen auf Städtchen huschte vorbei. Jeder Tag brachte neue Aufregung, neues Vorwärtshasten. Und jeder Tag führte uns Hunderte von Meilen weiter. Aus den flachen Wellentälern wurden gewaltige Einschnitte, riesenbreit, in felsiges Bergland, das sich weithin am Horizont auftürmte; ein Land des Sandes und der Steine, ein Land glasklarer trockener Sonnenluft, die den Blick auf ungeheure Entfernungen vorwärtsdringen ließ – Neumexiko. In wenigen Tagen durchquerten wir den Staat. Dann kamen wir auf das Gebiet Arizonas.


Im Erinnern an die Zeiten meines Dahinjagens auf den Schienensträngen der Vereinigten Staaten ist es mir, als sei jede Einzelheit unauslöschlich in mein Hirn eingegraben wie buntes Mosaik, aus farbensprühenden Steinchen geformt. Keines der Steinchen verlor in den fünfzehn Jahren, die seitdem nun verflossen sind, seinen Glanz. Schärfer treten die Dinge hervor in der Erinnerung, als sie es im leichtherzigen Erleben gewesen sein mochten; klarer, deutlicher in ihrem starken Einfluß auf das Werden und Wachsen des Menschen. In Gut und Böse. Den Trotz hab' ich im Wanderleben gelernt; das trotzige Wollen, ein gewisses Ziel zu erreichen nur, weil ich es wollte, sei es klein oder groß. Gleichgültigkeit gegen Geld, das ja dem Manne nur wenig bedeuten konnte, der in hetzendem, gefahrvollem Vorwärtshasten etwas so unbeschreiblich Schönes sah, daß Hunger und Entbehrungen lachend in den Kauf genommen wurden. Verderblichen Lebensleichtsinn, sonderbar gepaart mit Kraft. Träumen hab' ich gelernt, wie mans nur lernen kann in Einsamkeit, wenn dahinfließende Stunden ein gleichgültiges Nichts bedeuten. Sehen hab' ich gelernt! So viele Menschen und so viele rasch wechselnde Bilder zogen an dem Wanderer vorbei, daß er Menschen und Dinge sehen lernte – in mehr als bloßem Verstehen von Land und Leuten. Und den Humor hab' ich mir geholt in jenem Wanderjahr; das lustige Lachen über eigene Torheit und eigene Schwächen, weil es klüger war, zu lächeln als zu weinen, wenn die Dinge einem gar zu sehr weh taten. So ist mir das eine Jahr etwas nie zu Vergessendes geworden.

Ein Wanderjahr unter den Romantikern des Schienenstrangs …