Unser scoop gelang glänzend. Mit flammenden Überschriften und sechzehn Spalten Hongkong erschien der Examiner zwei Stunden vor dem Call. In einer Gesamtzeit von sieben Stunden vom Einlaufen der Meldung bis zur Ausgabe der fertigen Zeitung war ein für die Hafenstadt unendlich interessantes Ereignis lebendig und exakt geschildert worden, in der Ausführlichkeit einer graphischen Darstellung von über dreitausend Zeilen Länge. Nichts fehlte. Das Aussehen der Hongkong — der Bericht des Kapitäns — die Schilderung der Leute des Schleppdampfers — die Szenen des Schreckens der Unglücksnacht.
Es war einer der großen Tage der Zeitung gewesen.
Der Hongkongbericht war in gekürzter Form nach New York und Chicago an das New York-Journal und die Chicago-Dispatch telegraphiert worden, denn wir und jene beiden Blätter arbeiteten stets Hand in Hand. Gehörten »wir« doch einem gemeinsamen Eigentümer, dem Verleger des New York-Journal, William R. Hearst. Als wir uns am nächsten Morgen im Reporterzimmer einfanden, hielt uns Mac lachend eine Depesche entgegen. Wir lasen:
»Examiner, Frisco. — Komplimente, Mac. Gute Arbeit. Erwarte ausführlichen Bericht. — Hearst.«
Das war bezeichnend für William R. Hearst, dem nichts zu klein war im Zeitungsdienst, um sich nicht persönlich darum zu bekümmern, und nichts zu groß, sich mit seinen Zeitungen nicht daran zu wagen. Ich sah Hearst erst Jahre später. Aber im Reporterzimmer wimmelte es von Anekdoten über den »Alten«. Als Hearsts Vater, der Besitzer des New York-Journal, gestorben war und ihm die Zeitung hinterlassen hatte, wurde aus dem bedeutungslosen Jungen, der bisher nur durch modische Kleidung und grelle Kravatten aufgefallen war, mit einem Schlage ein Arbeiter. Er erklärte den redaktionellen und geschäftlichen Leitern seiner Zeitung, daß in Zukunft er der Herr sei und sonst niemand. Die wollten sich totlachen.
Dann kam das Entsetzen.
Der junge Hearst gönnte sich nicht einmal die Zeit zum Essen — und anderen Leuten erst recht nicht. Zu schlafen schien er überhaupt nicht. Er war der Schrecken der Metteure. Er nächtigte im Setzersaale und schrieb bis aufs letzte — i — Pünktchen die Schriftarten vor, die die Ueberschriften der einzelnen Artikel anziehend machen sollten für Seine Majestät das Publikum.