Das Hauptquartier der Brigade lag auf einem schmalen Streifen Grasland mit vielen Bäumen, dicht an die steil aufragende Hügelwand gedrängt und binnen fünfzig Schritt vom San Juan-Flüßchen begrenzt, das in weiter Krümmung hinter dem Hügel dahinfloß. Unser Zelt stand auf einer schrägen Stelle dicht im Wasser, nicht weit von den beiden großen Zelten des Generals und seiner Adjutanten. Dann und wann krachte oben auf dem Hügel ein Schuß.

In die steile Hügelwand waren Stufen geschaufelt worden. Wir kletterten hinauf, um den General zu suchen, der irgendwo oben in den Schützengräben war, und uns bei ihm zu melden. Die rohe Treppe verlief in einen breiten Gang, so tief ausgegraben, daß die hohen Wände völligen Schutz vor feindlichem Feuer boten, wenn man sich ein wenig duckte. Andere Gänge mündeten rechts und links ab. Die Kuppe des Hügels war zerwühlt wie ein Ameisenhaufen. Der breite Hauptgang, in dem wir standen, verlief schnurgerade zum Kuppenrand und mündete dort in den eigentlichen Schützengraben, der sich weithin dehnte, dicht besetzt mit hingekauerten Soldatengestalten. Gut zwei Meter breit war der fast mannshoch ausgehöhlte Schützengraben. Eine breite Erdstufe an der Vorderseite erlaubte den Schützen, bequem im Liegen zu feuern. Sandsäcke in langen Reihen, markiert durch ausgestochene Rasenstücke und Gezweig, verdeckten und sicherten die Schützenstellung. Als wir den Kuppenrand erreicht hatten, kauerten wir uns vor eine der schießschartenartig ausgehöhlten Oeffnungen in der Grabenwand — sehr vorsichtig, denn alle Augenblicke zischte es surrend über unseren Köpfen dahin — und spähten durch die Gläser auf das sonnenbestrahlte Gelände.

Dort, halbrechts vor uns, in verblüffender Nähe anscheinend, lag Santiago de Cuba. Klar, scharf, grell traten einzelne Gebäude hervor; ein riesiges, langgestrecktes, schneeweiß glitzerndes Haus vor allem, über dem die Rote Kreuz-Flagge wehte. Andere Gebäude sahen selbst in meinem guten Glas undeutlich und nebelhaft aus. Ich schätzte die Entfernung auf vielleicht anderthalb Kilometer. Eher weniger. Zwischen Hügeln und Stadt erstreckte sich buschiges Gelände mit vereinzelten Grasflecken und Baumgruppen. Die Hügelwand senkte sich vom Kuppenrand dem Feind zu ziemlich steil in eine Niederung mit vielem Gestrüpp. In einer Entfernung von zweihundert Metern waren im Gras und zwischen den Büschen da und dort verdächtige Flecke zu sehen, bald gelblich hell, bald dunkel und schwarz. Das mußte Erde von Schützengräben sein, und dort mußte der Feind liegen.

General Bates, der Befehlshaber des linken Flügels, war im Schützengraben weiter rechts, wie uns ein Korporal sagte, den wir befragten. Wir liefen hinter den Schützenreihen entlang und meldeten uns bei dem General. Der alte Herr, der mit einigen Offizieren im Graben kauerte, grüßte dankend und sagte zu einem Adjutanten:

»Mr. Jameson, weisen Sie dem Signalsergeanten eine Ordonnanz zum Ueberbringen von Meldungen zu. Allright, Sergeant, Sie können zur Station zurückkehren. Senden Sie mir, bitte, sofort Nachricht, sobald Sie Privattelegramme nach den Vereinigten Staaten annehmen dürfen.«

Kaum waren wir wieder beim Instrument, so lief die erste Depesche ein:

»General Shafter wird um fünf Uhr die Stellung besichtigen und ersucht General Bates, einen Offizier zur Führung nach dem Blockhaushügel zu senden.«


Es war nach acht Uhr abends und still überall. Souder und ich saßen rauchend vor unserem Zelt, dicht am niederen Eingang; schweigend, damit wir das leise Anrufen des Taschenapparats sofort hören konnten. Ueber uns glitzerte und strahlte in unsäglicher Pracht der Sternenhimmel; milchig, sprühend in weißer Glut in Milliarden von zitternden, bebenden Lichtpunkten.

Da fiel ein Schuß. Ein zweiter, ein dritter ... In rascher Folge knallte es scharf dröhnend in der stillen Nacht. Und mit einemmal peitschte der Schall förmlich daher in donnerndem Klang, in Tausenden von Schüssen, in schweren Salven, in rasselndem Schnellfeuer.