»Ich muß doch etwas wissen, Haveland!« stieß ich hervor.
»Hm, fünfzehn Minuten habe ich noch. Was weißt du über Venezuela?«
»Das Uebliche. Aktuelle.«
»Natürlich. Ich darf noch nicht viel reden, mein Junge. Kannst du dir denken. Wir wollen aber von der Voraussetzung ausgehen, daß in einem Staat wie Venezuela, dessen politische und wirtschaftliche Verhältnisse augenblicklich unstabil sind und den Amerikanern, die seinen Handel betreiben, ein unerhörtes Risiko aufnötigen, der wirtschaftliche Kampf des Kaufmannes sich dann und wann in primitiven und brutalen Formen abspielen muß. Wir wollen auch nicht vergessen, daß der Amerikaner durch den anstrengenden Aufenthalt in den Tropen nicht gerade energischer wird. Angenommen nun, daß sich gewaltige amerikanische Geldinteressen auf Asphaltgewinnung in Venezuela konzentrieren — angenommen, daß zwischen der betreffenden Gesellschaft und der bestehenden Regierung Differenzen entstanden sind, die eine Regelung mit Hilfe der offiziellen Diplomatie nicht vertragen, peccatur intra muros et extra — angenommen des weiteren, daß einerseits eine im Gang befindliche revolutionäre Bewegung der Gesellschaft Vorteile verspricht, und andererseits die bestehende Regierung den kranken Leiter der betreffenden Interessen durch Gewaltmaßregeln eingeschüchtert hat — all dies angenommen, so ist es sehr begreiflich, wenn die erwähnten Interessen eine unauffällige Persönlichkeit an Ort und Stelle senden, um Abmachungen zu treffen und den Gang der Dinge zu beschleunigen. Vielleicht muß dabei auch ein bißchen geschossen werden. Nicht viel. Nur gerad, was nötig... Hm ja. Wir sprechen noch über Einzelheiten. Meine Zeit ist um. Da ist der Scheck. Auf Wiedersehen im Planters Hotel in Galveston, lieber Junge!«
Und in wackelndem, schwerem Krähengang schritt Frederick Haveland der Drehtüre zu. Er sah ungemein solide und höchst wohlhabend aus, wie einer, der sich bürgerlichen Erfolges und geregelter Verhältnisse erfreut.
Ich sah ihm starr nach.
Wie ich Flibustier wurde.
In Galveston. — »Na, immer noch nicht gehenkt?« — Die undurchsichtige Venezuela-Transaktion. — Ich lasse mich auf ein »Geschäft ohne Reden« ein. — Flibustier. — Das Werben der Rekruten. — Jack, der Nevadamann. — »Wenn ich heute Haveland erwischen könnte!« — Wir schmuggeln uns auf den Dampfer. — Unterwegs nach Venezuela. — Die »City of Hartford.« — Klarierte Ladung mit Nebenzwecken. — Ein kleiner Namenwechsel auf hoher See.
Der tolle Streich, der im Restaurant des Palace Hotel in St. Louis mit ein wenig Geplauder und einem völlig unmotivierten Scheck begann, sollte mein letzter werden im Lande der Unruhe, und sechs kunterbunte, zappelige, grell ereignisreiche Wanderjahre nett symbolisch beschließen. Aber hübsch der Reihe nach — —