Einige Räder waren ein wenig verbogen, sonst aber noch ganz gut; einige Köpfe verbeult, einige Arme und Beine abgeschürft. Am schlimmsten derangiert waren die Steine am Wegrand. Wir überlegten uns nun die Sache, hielten ein vergnügtes Palaver, und kamen überein, daß nie mehr als einer zur gleichen Zeit fahren sollte, damit die anderen zusehen konnten und so wenigstens ein bißchen Lustigkeit bei der Geschichte war. Als Jüngster kam ich zuerst daran und — ein brüllendes Jubelgeschrei, ein Höllengelächter belehrten mich, daß das Zuschauen amüsant sein mußte.
Mir persönlich jedoch war zumute, als hätte mich der Teufel geholt und führe mit mir davon...
Während ich den Sand ausspuckte und mein linkes Schienbein rieb, stand plötzlich ein Herr in Seidenhut, Gehrock, hellen Beinkleidern da — Major Stevens, vom Urlaub zurückgekehrt. Hastings wollte mechanisch melden: »Fünf Sergeanten erster Klasse und vier Sergeanten...« als ihn der Major unterbrach:
»Weiß ich, lieber Hastings. Sehe ich! Sagen Sie 'mal — sollte das Detachement plötzlich verrückt geworden sein? Wo haben Sie denn die Fahrräder her? Weshalb fahren Sie denn gerade die niederträchtig schlechte Straße da herunter?«
»Gekauft, Major, und —«
»Gekauft? Das ist ja Unsinn, Hastings. In Fort Myer bekommt das ganze Detachement sowieso Fahrräder geliefert. Ich bitte mir aus, daß die alten Dinger da weggeschafft werden. Sie werden schon Mittel und Wege finden. Es freut mich übrigens, daß Sie alle so ausnehmend lebendig zu sein scheinen, denn es wird Ihnen demnächst an ausgiebiger Gelegenheit zur Betätigung nicht fehlen. Wir haben Reiseorder! Morgen früh sieben Uhr, Sergeant!«
Schleunigst sammelten wir die Fahrräder auf und eilten nach den Zelten, während der Major nachdenklich die Düne entlangschritt, das Spazierstöckchen schwingend. Uns alle plagte die Neugierde. Zwar wußten wir längst, daß in Fort Myer bei Washington das Hauptquartier des Signalkorps errichtet werden sollte und keiner von uns Aussicht hatte, in nächster Zeit wieder nach Kuba oder gar nach den Philippinen kommandiert zu werden; eine richtige Vorstellung aber, wie es in dem neuen Signalfort aussehen würde, konnte sich keiner von uns machen. Unsere Lage war bezeichnend für die Zustände nach dem Krieg. Verschiedene Sergeanten und alle Signalleute waren nach und nach von Montauk Point zum Stab der Philippinenarmee, die sich in San Franzisko bildete, beordert worden, bis schließlich nur wir übrig blieben: Ein Major, ein Leutnant, fünf Sergeanten erster Klasse und vier Sergeanten stellten den Mannschaftsbestand dar, aus dem sich das neue Signalfort zusammensetzen sollte! In Wirklichkeit freuten wir uns alle auf den Wechsel und das Neue, aber gebrummt mußte werden nach Soldatenart.
Der erfahrene Hastings schüttelte den Kopf. »Der Alte« — das war der Major — »macht mir ein viel zu energisches Gesicht,« sagte er. »Weiß der Teufel, was der während seines Urlaubs in Washington alles ausgeknobelt hat! Kann mir lebhaft vorstellen, wie er im Kriegsministerium herumgesaust ist! Ich habe so eine Ahnung, Jungens, als ob uns heidenmäßige Arbeit bevorstünde!«