Das schlanke kleine Ding ging mit straffen energischen Schritten voran und führte mich in eine winzige Schachtel von kleinem Zimmerchen mit schallsicheren, dickgepolsterten Türen und Wänden, und setzte sich wortlos an die Maschine. Ich stürmte auf und ab in dem kleinen Raum, meine Gedanken ordnend. Es gab nur ein Thema, über das ich im Augenblick schreiben konnte: Fort Myer und das Signalkorps. Langsam begann ich zu diktieren. Mit unglaublicher Geschwindigkeit flogen Miß Whitmanns Finger über die Tasten. Sie arbeitete glänzend —
Aber was hatte das Mädel nur?
Ich betrachtete das schmale Gesicht, die fidelen Augen, das kleine Stumpfnäschen verstohlen von der Seite. Da — jetzt wieder!
Schnitt mir das Balg etwa gar Grimassen? Sie verzerrte das Gesicht, sie schien zu lachen nun, zu schmunzeln dann, zu feixen jetzt, und ich wartete entsetzt darauf, daß sie mir auch noch die Zunge herausstrecken sollte... Sie machte die komischsten Gesichter — sie grinste — sie verdrehte die Augen — sie arbeitete auf ihren Kiefermuskeln herum, daß dicke Muskelstränge an den Mundwinkeln sich zeigten! Donnerwetter! Hatte ich etwas Lächerliches an mir?
Da kam mir plötzlich die Erleuchtung.
Selbstverständlich: Das Mädel kaute einfach Gummi. Kaugummi! Zähes Zeug, das nach Schokolade oder Pfefferminz schmeckte und durch seine Zähigkeit Unterkiefer gegen Oberkiefer wie ein schnellendes Gummiband in steter Bewegung hielt. Das Mädel war eben ein nervöses Produkt einer hetzarbeitenden Zeit und mußte etwas Zappeliges zu tun haben. Sie kaute Gummi, wie alle Neuyorkerinnen kauen und alle Neuyorker ständig rauchen!
Nun störte mich das Grinsen nicht mehr...
Mit der Arbeit ging es sehr rasch. Ich fühlte instinktiv, daß sie ein Erfolg sein würde. Der Stoff erfüllte alle Bedingungen der amerikanischen Zeitung. Er brachte durchaus Neues, mit genauer Sachkenntnis gesehen, war bildhaft, hatte Raum für Schilderung, und konnte obendrein auf besondere Daseinsberechtigung im Zeitungssinne Anspruch machen, weil er Gelegenheit gab, eine Forderung zu stellen: Mehr Mittel für das Signalkorps — noch rascheren Ausbau des technischen Zentrums Fort Myer! So konnte man sich mit ein bißchen patriotischem Glorienschein umgeben. Jawohl, es war eine gute Sache. Ich erzählte vom Linienlegen in Kuba. Kurz, drastisch; von der Arbeit weniger Hände mit primitivsten Werkzeugen; dem Anschwellen des Korps und der Hetzarbeit in Fort Myer. Ich fabrizierte gerissene Ueberschriften, machte Unterabteilungen, korrigierte, ergänzte. Und sandte die »copy«, die ungefähr eine Seite des Journal umfassen mußte, mit kurzem geschäftsmäßigem Begleitschreiben an Holloway. Mir war ein wenig bänglich zumute, als ich das doppelte des ungefähr wahrscheinlichen Honorars forderte. Aber nur die Lumpe sind bescheiden ...
Abends ging ich seelenvergnügt mit Flossy und Nicky ins Theater.
Am nächsten Morgen erhielt ich ein kurzes formelles Annahmeschreiben vom Journal mit einem Scheck über die geforderte Summe, hundert Dollars; und da war ich wieder auf der Lebenslinie angelangt und schwelgte in tausend Träumen und sah alle Himmel voller Geigen.