Eine Krawatte in einem der Schaufenster des großen Warenhauses da lockt mich, und ich gehe gedankenlos mit den anderen Menschen hinein, die sich um den Eingang drängen, um sie mir zu kaufen. Fast gewohnheitsmäßig bleibe ich unten in der Halle einen Augenblick lang stehen, mir das Gewühl zu betrachten, denn ich habe immer etwas übrig gehabt für diese Riesenwarenhäuser. Das ist fast vollendete Organisation. Es klingt und schwirrt und saust über die Drähte, die wie ein Telephonnetz die Räume überspannen. Körbchen fliegen fortwährend an ihnen hin und her. Jedes Körbchen enthält das Geld eines Kunden, die Ware, die er gekauft hat, und seine Rechnung. Es saust in den Kassenraum da oben im ersten Stock und kommt in einer Minute wieder zurück über den Draht, mit eingewickeltem Paket, quittierter Rechnung, und herausgegebenem Kleingeld. Sie haben mir immer imponiert, die Warenhäuser und ihre Art. Da sehe ich oben bei der Galerie des zweiten Stockwerks eine dichtgedrängte Menschenmasse und höre, daß es da oben sehr laut und lärmend zugeht. Sofort wird der neugierige Zeitungsmensch lebendig. Was ist da los?

Ich springe die Treppe hinauf — es ist nicht der Mühe wert, das Lift zu benutzen — und sehe von der Decke herab Riesenplakate in grellen blauen Buchstaben hängen:

»Easter hats!«

Osterhüte!

Unter diesen Plakaten stehen Tische neben Tischen, bergehoch mit Damenhüten bedeckt, Osterhüte genannt, weil auch die ärmste Amerikanerin zum österlichen Frühlingsfest einen neuen Hut haben muß — — und zwischen diesen Tischen spielt sich eine Schlacht ab! Eine Amazonenschlacht!

Sie sind aneinandergedrängt wie Sardinen in einer Büchse, diese bunten Flecke, die Mäntel, Blusen, Kostüme, Winterhüte bedeuten, und hinter denen vermutlich Frauengesichter und Frauengestalten stecken. Aber das wogt und wirrt so hin und her, daß man wirklich nichts sehen kann als bunte Flecke, rasch sich bewegende Farbenkleckse. Einen Augenblick lang kämpfe ich mit aufsteigender Feigheit, dann aber stürze auch ich mich in das Gewühl.

Teufel, die bunten Flecke sind lebendig. Mehr als lebendig!

Bums — habe ich einen Rippenstoß weg, der mich rachsüchtig auffahren läßt. Ihm folgt, wie der Donnerschlag dem Blitz, ein zweiter, ein dritter, ein vierter — ich werde gepufft, gestoßen, geknufft, wie mir das schon lange nicht mehr passiert ist. O—ho! Ich bin gar nicht mehr rachsüchtig. Aus Verstandesgründen. Dieser elementaren Gewalt gegenüber scheinen mir meine schwachen Männermittel untauglich — ich ziehe nur meine Ellbogen krampfhaft in die Höhe und an mich, um die empfindlichen Weichteile zu schützen. Ich bin sogar sehr vergnügt — au, das war wieder ein niederträchtiger Puff — denn das gibt doch eine wirklich ulkige Geschichte für die lustige Sonntagsbeilage... au, Donnerwetter! Absichtlich lasse ich mich ohne eigenen Willen weiterpuffen, um meine Gefühle ganz echt zu genießen und später ja nicht zu übertreiben. Man tut das so leicht als Zeitungsmensch! Gottseidank, die Echtheit läßt nichts zu wünschen übrig! Ich verspüre die spitzen Ellbogen mit vollendeter Deutlichkeit.

Weshalb, warum jedoch werde ich so gepufft und so gestoßen?

Nur langsam begreift mein männlicher Intellekt den Witz der Sache. Hm. Hüte zu betrachten und Hüte auszuwählen, mag zwar ein Gedränge verursachen, aber keine Schlacht. Hm. Doch, jetzt hab' ich's.