Die sogenannte Amerikanerin.
Der Lausbub und die Frauen. — Die dumpfe Sehnsucht. — Der Mädelknopf. — Der langweilige Zeitungsgeselle. — Nicky's und Flossy's Privatansichten. — Die Frauen meiner Freunde. — Mrs. Burton und ihre Ehe. — Gibt es eine amerikanische Frau? — Die Becken-Theorie. — Die verdienende Amerikanerin. — Die Tragödie der Arbeit. — Frauentypen. — Die tolle Abstinenzlerin. — Frauenverehrung? — Der grobzotige Amerikaner. — Das Gibsongirl. — Tausend Wahrheiten und tausend Widersprüche. — Es gibt doch keine »Amerikanerin«!
Mein eigenes Leben in der Stadt der hetzenden Eile und des Dollarinstinkts als Ehrbegriff war tätig und nur tätig. Die komische und doch auch wieder stark eigenartige Idiosynkrasie des Zeitungsmannes verbot Beschäftigung mit allem, das nicht »copy«, Arbeit, Zeitungsresultat produzierte. Was die Rotationspresse nicht brauchen konnte, war an und für sich eine Nebensächlichkeit — als Axiom! Alles, was nicht Zeitungsstoff ergab, war verwerfliches, persönliches Vergnügen, zulässig in bescheidenem Maße, aber doch verlorene Zeit — entgangenes Gut!
So fraß man, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, den merkwürdigen Neuyorker Ehrbegriff vom nur tätigen Leben in sich hinein, und lebte höchst kulturlos wie die Neuyorker leben.
Kein besseres Beispiel dafür gibt es als die völlig untergeordnete Rolle, die der weltenversetzende Begriff Frau in meinem Neuyorker Zeitungsleben spielte.
Es hatte einfach keinen Platz übrig für Frauen!
Praktisch. Theoretisch stand es im Zeichen einer dumpfen Sehnsucht. Es war dazumal Sitte in Neuyork, daß junge Männer, die gern witzig sein wollten, in jenem verrückten Knopfloch des Männerrocks, für das kein korrespondierender Knopf da ist, statt der Veilchen oder Chrysanthemen ein weißes Emailschildchen trugen. Auf dem stand in roten Buchstaben:
Girl wanted!
Mädchen gesucht!