»O Keppler, lieber Freund, sind Sie es wirklich? Wie ich mich freue, Sie zu sehen!« rief sie herzlich und reichte ihm beide Hände – ein kaum merkliches Neigen des Hauptes grüßte dabei den Mann an des Malers Seite.
»Sie kommen gewiß, Ihre Mutter zu besuchen, Baron Falkner,« sagte sie mit ganz anderem Tonfall als vorher. »Ich kann Ihnen zufällig sagen, daß sie im Zelte sitzt.«
»Ich danke!«
Meilenweite Entfernungen wünschte er in diesem Augenblick zwischen sich und sie legen zu können – unüberbrückbare Klüfte, reißende Ströme, und doch mußte er neben ihr die ganze lange Allee herschreiten, denn das »Zelt« lag schnurgerade vor ihm am Ende der Allee und abzubiegen und einen Umweg zu machen, wäre lächerlich gewesen, und sein Stolz erlaubte es nicht.
»Und nun sagen Sie mir, Freund Keppler, von wannen der Wind kam, der Sie hierher geführt,« fuhr Dolores heiter fort. Und Keppler erzählte, wo er sei und zu welchem Zwecke.
Als aber Falkner urplötzlich, eine leichte Verbeugung machend, schnellen Schrittes dem Zelte zueilte und Dolores sofort umdrehte, rief er:
»Mein Gott, was ist zwischen ihm und Ihnen geschehen, Donna Dolores? Ist – ist es diese Erbschaft?«
»Ja,« nickte sie, und dabei legte sich ein schmerzlicher Zug um ihren Mund. »Doch lassen wir das! – für graue Gespenster lacht die Sonne zu schön herab – nein, fragen Sie mich nicht, ich tauge nicht zur Klatschbase,« setzte sie scherzend hinzu. »Ich habe dafür gar kein Talent.«
»Dafür aber desto mehr, eine Einsiedlerin zu werden,« meinte Keppler, auf ihre Wendung des Gespräches eingehend.
»O,« rief sie, »ich fange an, selbst daran zu glauben! Es ist so wonnig, die schönen Tage allein mit seinen Gedanken dahinzuträumen und zuzuhören, wie die Bäume rauschen und was sich der Wald erzählt. Und Neigung zum Alleinsein habe ich immer gehabt!«