»Nicht weiter, Baron Falkner,« sagte sie, und ihre Augen sprühten Flammen. »Der Falkenhof wird nicht vermietet – niemals, so lange ich hier bin, sei es, unter welcher Form es immer sei. Wollen Ihre Eltern meine Gäste sein, so werd' ich sie stets als solche ehren – an einem Tisch mit mir – oder gar nicht.«
Damit wandte sie sich ab und schritt die Allee herunter, scheinbar unbewegt, aber in ihrem Innern wogte es auf und nieder in Schmerz, Empörung und Pein.
Und ein stiller Zorn stieg auch in Keppler auf gegen den Mann, der stumm und blaß neben ihm herschritt, denn er hatte sie gekränkt, und er, der Maler, hatte nicht einmal das Recht, hier für sie einzutreten, wo sie selbst für sich gesprochen hatte.
Und Falkner? Er hatte sich von seinem heißen Blut hinreißen lassen, und ihre Antwort hatte ihn nicht gekränkt, denn eine wilde Freude in seiner Brust sagte ihm, daß sie ja anders nicht hatte antworten dürfen, daß er sie um einer anderen Antwort willen hätte verachten müssen und doch, und doch – er wollte sie hassen um jeden Preis, hätte er sie nur auch verachten gekonnt!
Am selben Tage noch sprach ihm Prinzeß Alexandra höchst taktvoll von der Parkangelegenheit, und berührte leicht den delikaten Punkt des Verkehrs mit seiner Cousine.
»Hoheit verzeihen,« erwiderte Falkner kühl und bestimmt, »wenn ich in dieser Affaire keine Dienste leisten kann. Ich stehe in absolut keinem Konnex mit der Baronin, meiner – nun ja, meiner Cousine, und glaube auch, daß sich dies alles weit besser durch Fremde arrangieren läßt.«
***
Am folgenden Tage um die Stunde, wo man in großen Städten Visiten zu machen pflegt, also gegen fünf Uhr nachmittags, bestieg Dolores ihren leichten, eleganten Brougham und gab dem Kutscher die Order, nach Arnsdorf zu fahren.
Leicht und leise rollte der Wagen über den gelben Kiesweg hinaus zum Thore und die staubige Chaussee entlang nach der äußersten Spitze des Triangels zu, den die drei Nachbargüter bildeten. Es war ein wunderschöner Tag, aber fast zu heiß für die schattenlose Chaussee, welche zwar mit Kirschbäumen rechts und links besetzt war, die aber für den Komfort der Fahrenden nichts thaten, sondern nur Scharen von Sperlingen anlockten, welche unter großem Geschrei kamen, um nachzusehen, ob die Kirschen noch nicht reif seien.
Der Wagen rollte endlich zum großen Staunen der barfüßigen, flachsköpfigen Jugend in das Dorf und bog in den Hof des Dominiums ein, in welchem Enten und Gänse einherwatschelten, ein altes Pony einen grünen Fleck abgraste und mehrere Schweine und Ferkel sich in einer Pfütze inmitten des Hofes wälzten.