»Man sagte aber, die Musik sei herzlos, das Werk eines genialen Teufels,« entgegnete Dolores, unwillkürlich nach Falkner herübersehend.
»Das sagte ich,« erwiderte er ruhig, die stumme Anklage, die in ihrem Blicke lag, bestätigend.
»O Sie Barbar,« rief der Erbprinz lebhaft. »Und was haben Sie zu Ihrer Verteidigung anzuführen?«
»Meine Überzeugung,« antwortete Falkner unbewegt.
»Das ist genügend,« sagte Dolores kühl – es war ihr sehr fatal, daß sie sich hatte hinreißen lassen, ihm zu zeigen, daß sein hartes Urteil sie verletzt habe.
Man machte später noch viel Musik, sogar Prinzeß Lolo setzte sich zum Flügel und begann das Spinnerlied von Mendelssohn, aber mitten darin, mit schalkhaftem Blick auf ihr Auditorium, nach einem überraschenden Übergange spielte sie den Walzer von der schönen blauen Donau, rauschend, brillant, mit graziösem Wiegen ihres niedlichen Köpfchens.
»Das ist Musik, wie ich sie liebe,« sagte sie dann im Vertrauen zu Falkner. »Walzer sind meine Passion – ich wollte, das Leben wäre ein fröhlicher, wirbelnder Tanz!«
Keppler hörte diese Worte und sah nach der Sprecherin hinüber, deren Ebenbild er zu malen berufen war. Er hatte bis jetzt vergebens nach einem festen Grundzug dieser schillernden Lacertennatur gesucht, um ihn ihrem Porträt aufzuprägen – was aber bleibt dem Maler als das einfache Kopieren der Natur, wo eine Seele den Ausdruck der Züge nicht vermittelt!
Dolores ward »zum Abschied« noch um ein Lied gebeten, und da sang sie Lassens herrliche Komposition zu François Coppées Gedicht, das Geibel so schön verdeutscht hat: