»Gute Nacht,« sagte sie, »ich bin heut' so müde. Gute Nacht, Baron!«
»Ei, warum stets so förmlich?« fragte der Doktor, ihre Hand festhaltend. »Alfred ist Ihr rechter Cousin, und Vettern tituliert man doch nicht so steif!«
»Cela dépends,« erwiderte sie leicht. »Aber,« setzte sie spöttisch hinzu, »vielleicht wächst nach unserem heutigen Mondscheinspaziergang par ordre de Moufti unsere gegenseitige Zuneigung dermaßen, daß wir uns nach hundert Jahren unbezwinglich gedrängt fühlen, uns per Cousin und Cousine anzureden. Man darf die erschütterndsten Weltereignisse nicht für unmöglich halten.«
»Sie können noch weiter gehen und sagen: Vielleicht heiraten sich dereinst unsere Enkel,« sagte Falkner kalt, aber ein seltsamer Blick schoß dabei aus seinen Augen.
Dolores lachte hell auf, mit dem alten, klingenden Lachen vergangener Tage.
»Das wäre lustig,« rief sie. »Bis dahin sind Sie Minister, und dann tanzen Großpapa Excellenz und Großmama Satanella ein Menuett miteinander!«
Noch ein spöttisches, leises Auflachen, und sie war im Hause verschwunden.
Der Heimweg nach Monrepos wurde Falkner kurz durch die Gedanken, die sich ihm im Kopfe kreuzten, und durch diese Gedanken klang immerzu jenes Lachen.
Satanella! Mit diesem einen Worte hatte sie die von ihm selbst errichtete Grenzscheide zwischen sich und ihr als wie mit eisernen Klammern befestigt.
»Sie ist doch herzlos und ohne Gefühl,« sagte er sich erbittert. »Habe ich mich darum vor ihr gedemütigt und abgebeten wie ein Kind, damit sie mich verspottet?«