»Wenn er Ihnen in der That von Nutzen sein kann, so gebe ich ihn nur zu gern,« sagte der Doktor, bescheiden die Augen niederschlagend. »Aber Sie sprachen mit soviel Sicherheit von einem kommenden Geschlecht und wissen doch, daß das Geschlecht der Falkner nur noch vier Augen zählt!« –

»Ja, ich weiß es,« entgegnete sie, immer noch mit der Musterung ihrer Wände beschäftigt, »aber man kann doch nur auf zwei Augen zählen – die meinigen gelten nichts, denn wenn sie sich schließen, so ist das von keinem Einfluß auf den Stammbaum.«

»Wer weiß,« bemerkte Ruß mit besonderer Betonung.

»Nein, gar nicht,« erwiderte Dolores ruhig, »ich beschließe das Geschlecht ja nicht, und Baron Alfred wünsche ich, daß er es den Traditionen entsprechend weiterführt. Ich bin als ganz unerwarteter Eindringling in der Erbfolge erschienen, und da eine Ablehnung derselben mir nichts helfen konnte, so will ich den Falkenhof so instand setzen, daß meine Nachfolger nicht über die Zeit meiner Lehnsherrschaft klagen sollen.«

Doktor Ruß sah sein Visavis prüfend an.

»Sie sprechen, als hätten Sie große Eile mit dieser Instandsetzung,« sagte er lächelnd.

»Gewiß, denn ich weiß ja den Tag und die Stunde nicht, wenn ich sterben werde,« erwiderte sie ruhig.

Der Doktor wiegte sinnend den Kopf hin und her.

»Nein, nein, wir wissen es nicht,« flüsterte er mehr als er sprach. »Aber nach menschlicher Berechnung ist der Tag noch fern. Nun, es ist ja aber immer gut, sein Haus zu bestellen!« –

»Ja, und das ist die Freude, die ich an dem Besitz des Falkenhofes habe,« rief Dolores lebhaft. »Es soll alles in dem lieben alten Haus schön werden und bewohnbar!«