»Und ich nicht minder,« sagte sie leise, und mit fast erschreckender Leidenschaftlichkeit im Ton, die man unter dieser eisigen Hülle nicht gesucht, fügte sie hinzu: »Nach Jahren, Jahren, Jahren der Abhängigkeit, der Demütigung und des Gnadenbrotes!«
»Das letztere war dein Wille, geliebtes Weib,« erwiderte Ruß mit gleicher Sanftmut. »Hättest du nicht so heftig opponiert, ich hätte eine Professur gesucht und gefunden, die uns unabhängig gemacht hätte – aber die Rücksicht und der Hinblick auf deine Zukunft, Alfred, hieß uns hier bleiben und ausharren.«
»Deine Professur hätte meine Zukunft wohl kaum beeinflußt,« sagte Falkner ruhig.
»Doch – unsere Liebe zu dir gebot uns zu bleiben und dein Erbe für dich zu verwalten und zusammenzuhalten.«
Jetzt erhob sich Falkner.
»Das wäre geschehen auch ohne Erbschleicherei,« sagte er unbewegt.
Doktor Ruß hustete – dabei aber schoß ein böser Blick unter den Brillengläsern hervor auf die Reckengestalt seines Stiefsohnes, dem mit süßen Reden absolut nicht zu nahen war.
»Du bedienst dich starker Ausdrücke,« sagte er indes mit gewöhnlicher Milde, etwa wie man einem unbezähmbaren Kinde gegenüber thut.
Auf der Stirne Falkners schwoll die Ader bedenklich an, aber er beherrschte sich wie immer.
»Wann kann ich den Onkel sehen?« fragte er nur.