»Doch,« erwiderte sie kurz.

Da lachte er leise in sich hinein.

»Also immer noch eifersüchtig, Geliebte?« fragte er mit vollem Brustton, doch sie antwortete nicht.

»Nun, ich kann dich nicht zwingen,« fügte er hinzu. »Du willst also sicher nicht diese Arznei nach oben tragen?«

Da stand sie plötzlich auf. »Ja,« sagte sie, »gieb her!«

»Ah, das ist vernünftig. Und die Vorschrift des Gebrauchs – –«

»Ich kenne den ganzen homöopathischen Humbug,« erwiderte sie trocken, nahm die Flasche aus seiner Hand und ging.

Auf dem zweiten Treppenabsatz nach oben befand sich aus guter alter Zeit her in die Wand eingelassen ein kupfernes Behältnis für Wasser, das aus einem Delphinrachen in ein kupfernes Becken in Muschelform rann und ehedem wohl zum Spülen von Gefäßen bestimmt war, da ein Abzugsrohr das gebrauchte Wasser nach unten leitete. Vor diesem Becken stand Frau Ruß, Licht und Flasche in der Hand, unschlüssig still – es arbeitete seltsam in den harten Zügen dieser Frau, Haß, Schreck und Entsetzen und etwas wunderbar Weiches spiegelten sich auf ihrem Antlitz wieder, dann, mit einer raschen Bewegung setzte sie das Licht nieder, goß den Inhalt des Fläschchens in das Becken aus, spülte das Fläschchen drei-, viermal aus und füllte es endlich wieder ganz mit klarem Wasser. So gab sie es an Tereza ab, die es ihrerseits auch wieder fortgoß, denn sie hielt in ihrem schlichten Negerverstande den Dilettantismus in der Homöopathie mit so vielen anderen für einen Unsinn ohne Ziel und Zweck.

Dolores aber befand sich am nächsten Morgen auch ohne die drei Tropfen Aconit des Herrn Doktor recht wohl und fühlte sich verhältnismäßig frisch.

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