Ein kurzer, aber erquickender Schlaf that ihr unendlich wohl, doch ließ sie sich am Mittagstisch entschuldigen und Frau Ruß bitten, ihren Platz an der Spitze desselben zu vertreten.
Erst gegen Abend ging sie wieder hinaus und stattete Engels einen Besuch ab, fand ihn aber nicht vor.
»Herr Engels ist mit den Herren Offizieren zum Pürschen gefahren,« hieß es.
Da ging Dolores durch den Park zurück, brach unterwegs ein paar Rosen und ging dann nach der Terrasse, auf der Ramo eben den Theetisch ordnete und Herr und Frau Ruß schon wie gewöhnlich saßen.
»Nun, geht es besser, liebe Dolores?« fragte Doktor Ruß, ihr entgegen kommend.
»Danke, ja,« erwiderte sie. »Ich freue mich jetzt auf eine Tasse Thee!«
Und damit übernahm sie die Bereitung des belebenden, durstlöschenden Trankes, während Doktor Ruß seine Bücher ins Haus zurücktrug und sich seine Cigarrentasche mitbrachte.
»Unsere Herren Husaren sind alle auf der Jagd,« berichtete er, Platz nehmend. »Es wurde heut' bei Tisch viel Jägerlatein gesprochen, und definitiv die Hoffnung aufgegeben, den Steinadler zu erlegen, trotzdem er noch im Falkenhofer Revier gesehen worden sein soll.«
»Wirklich? Wer weiß!« sagte Dolores, den Theeextrakt in die Tassen gießend und aus dem Samowar mit kochendem Wasser auffüllend. Und dabei hatte sie ein eigentümlich schwankendes Gefühl und den Gedanken: das hab' ich schon erlebt – hier den Theetisch, dort das Abendbrot und jetzt werden sie den Adler bringen – –
Man nennt es Hallucinationen, dieses Erinnern an eine Vergangenheit, welche uns unbekannt ist, weil sie vielleicht nur im Lande des Traumes liegt – oder diesen Blick in die Zukunft. Man hat noch nicht entdeckt, was die richtige Bezeichnung ist für diesen Zustand, in welchem man das Gefühl hat, als wäre man ganz anderswo, als berührten unsere Füße den Boden nicht. Und verwandt, eng verschwistert damit ist jenes seltsame Gefühl, das man manchmal beim Betreten fremder Häuser, beim Anblick uns bis dahin unbekannter Gegenden hat –: das kennst du schon, hier bist du schon einmal gewesen – –