»Ich glaube, gnädige Frau drücken sich eher vom Hineinspringen,« wurde ihr animiert erwidert.
»Ich?« rief sie, aufspringend. »Nun dann – ich wollte heut' so wie so ein kaltes Bad nehmen – eins, zwei, drei – houp là, cousin!«
Und ehe ein Mensch sie halten konnte, ehe jemand im entferntesten glauben konnte, daß sie Ernst machen könne, spritzte das Wasser des Hexenloches hoch auf und die kleine, weiße, zierliche Gestalt verschwand mit einem hellen Gelächter der Schadenfreude, das in einem gellenden Schrei endete, in der schwarzen unheimlichen Flut.
»Lolo! Herr des Himmels!« schrie Falkner auf – er hatte auf das Gespräch in seinen tiefen Gedanken nicht geachtet, es gar nicht gehört und, hätte er es gehört, für ein kindisches Renommieren gehalten.
Und nun kämpfte er wieder mit dem Strudel des Hexenloches, diesmal unterstützt von den Schwimmern unter den Offizieren, welche, ohne sich zu besinnen, den Attilla abgeworfen hatten, und gleich Falkner, nach dem Körper seiner jungen Frau tauchten und suchten – – vergebens.
Währenddem waren andere nach Rettungsapparaten fortgeeilt, aber es währte doch geraume Zeit, ehe ein flaches Boot herbeigeschafft wurde, von welchem aus man Fischernetze warf, trotzdem nach so langer Zeit wohl niemand mehr daran glauben konnte, die Verunglückte lebend ans Land zu schaffen.
Aber das Hexenloch wollte sein Opfer nicht mehr herausgeben, denn alle Bemühungen, Lolos Leiche ans Licht zu bringen, schienen eitel und nutzlos zu sein. Fischer von Beruf arbeiteten unter Falkners Aufsicht die ganze Nacht bei Fackellicht, doch erst als es wieder Tag geworden war, gelang es durch künstliches Aufrühren des Wassers den Körper so nach oben zu treiben, daß ihn der Strudel ergriff und sie ihn mit Hakenstangen ans Land ziehen und auf den grünen Rasen legen konnten.
Und nun kniete im Morgenrot Falkner neben den Überresten des zarten, elfenhaften Wesens, welches schon angefangen hatte, die große Enttäuschung seines Lebens zu werden, und das nun das Opfer eines unüberlegten, tollkühnen und kindischen Streiches geworden.
Vor der Majestät des Todes aber verstummt jede irdische Regung, Haß, Bitterkeit, Schmerz, erlittenes Unrecht und die Erinnerung an trübe und böse Stunden – nur die Liebe bleibt, denn diese besiegt selbst den Tod. Und wie Falkner im tiefsten Herzen erschüttert neben der Leiche seiner jungen Frau kniete, da erlosch auch in ihm alle Bitterkeit, die er empfunden, alle Reue – er sah nur in der entflohenen Seele alles, was liebenswert war, er dachte nur, wie sie ihn wirklich geliebt in ihrer flatterhaften, unreifen Art; er vergaß sogar, daß er sie niemals geliebt, und die Augen wurden ihm trüb und trüber, und er schämte sich der heißen Thränen nicht, welche langsam auf ihr blasses Totengesicht herabtropften. Und dann erhob er sich und brach von einem rosigen Spireenstrauch ein paar Dolden und legte sie ihr auf die junge Brust, in der das lebensfrohe Herz aufgehört hatte zu schlagen und die Sänger des Waldes sangen ihr zum Rauschen des Morgenwindes in den Buchen und Tannen ein süßes Abschiedslied, das ihre Seele im Himmel vielleicht vernahm und den Bann des schrecklichen Todes von ihr löste.
Alfred Falkner aber folgte der Bahre seiner jungen Frau als einziger Leidtragender nach Monrepos, und als er das Parkgitter hinter sich schloß, da durchzuckte ihn jäh wie ein Dolchstich der Gedanke: