»Ich zweifle dennoch,« meinte er.
»Aber ich bitte Sie, wenn ich es wünsche!« rief Dolores, deren Widerspruch und Machtgefühl eine kleine Reizung erhielt. Doch Doktor Ruß wehrte ihr mit leisem Lachen mit beiden Händen ab.
»Ich den guten Engels unterrichten, der Vorurteile hat wie ein Italiener und eigensinnig ist wie gewisse graue Tiere – nein, liebe Dolores, so weit reicht Ihre Macht nicht. Das müßten Sie mir schriftlich geben, wenn Sie mich wünschen.«
»Nun, wenn Sie meinen, daß mein geschriebenes Wort Engels mit größerer Ehrfurcht erfüllt, so sollen Sie's haben,« lachte Dolores, auf den Scherz, für den sie das Ganze hielt, eingehend. Dabei ergriff sie einen großen Bogen Papier, warf hastig ein paar Zeilen daraus und reichte sie lächelnd Ruß herüber.
»Ich ernenne hiermit den Herrn Doktor Ruß zum Bureauvorsteher meines Rentamtes,« las er unterhalb des Datums. »Sehr gut. Sie haben nur die Unterschrift vergessen.« Und damit legte Ruß das Papierblatt wieder vor Dolores auf den Schreibtisch, welche sich höchlich über den »Spaß« amüsierte.
»Und die zwei Zeugen!« meinte sie, die Feder über den leeren Platz gleiten lassend. »Dolores Freiin von Falkner,« schrieb sie mit ihren großen, kräftigen Zügen, die so viel Charakter verrieten.
Doch als Doktor Ruß wieder nach dem Blatte griff, nahm sie es schnell fort und zerriß es noch rascher in mehrere Stücke.
»Nehmen Sie den Unsinn mit dem ›Bureauvorsteher‹ nicht übel,« sagte sie und warf die Fragmente in den Kamin.
Wieder lachte Doktor Ruß, aber diesmal ging Dolores der Ton durch und durch, daß sie zusammenzuckte.
»Was sich liebt, neckt sich,« sagte er und mußte sich räuspern, weil seine Stimme heiser geworden war. »Doch verzeihen Sie, daß ich Sie so lange belästigt habe, ja?« –