»Ramo, wie alt sind diese Fußstapfen?« fragte sie nach einer Weile, nicht sehr erbaut über diese ungebetene und unheimliche Nachbarschaft.

»Die sind ganz frisch,« erklärte Ramo kopfschüttelnd. »Hier sind noch mehr Spuren, aber sie sind schon wieder halb verstaubt.«

Mit diesen Worten ging er den direkt zum Kamin führenden Schritten nach und entdeckte, daß die Fußspuren sich jenseits des vergoldeten Gitters in dem weiten Feuerschlunde fortsetzten, und ein schnell entzündetes Streichholz zeigte ihm nun auch Fingerabdrücke an der verräucherten eisernen Rückwand des Feuerplatzes.

Diesen Spuren folgend, tastete er ohne Rücksicht auf seine tadellos weißen Manschetten an der Wand entlang, bis er unten einen Knopf fand, welcher, seinem kräftigen Drucke nachgebend, leise, wie frisch geölt, sich bewegte, worauf die Wand leicht und lautlos sich nach oben bewegte und, einen Raum lassend, daß ein Mensch tiefgebückt durchschreiten konnte, die Aussicht freigab auf einen zweiten Feuerplatz, der in demselben Rauchfang mündete, und von diesem in – das Turmzimmer, welches Dolores als ihre ureigenste Domäne betrachtete.

»Höre, Ramo, das ist ja eine recht unangenehme Entdeckung,« rief sie nach der ersten Pause des Erstaunens. »Wer weiß, wer mir da schon manch' ungebetenen Besuch und zu Gott weiß welchem Zweck abgestattet hat.«

Ramo betrachtete seine rußigen Hände und schüttelte den Kopf.

»Herrin,« sagte er dann, »vor allen Dingen werde ich selbst den Schlosser aus dem Dorfe holen und so hereinbringen, daß er nicht gesehen wird. Der mag die Feder hier zusammenschweißen mit der Thür, und niemand kann mehr durch – oder er mag die Thür im Zimmer der Herrin mit dem Boden zusammennieten. Dann aber will ich suchen, wo die Fußspuren hereingekommen sind.«

Dolores war damit zufrieden und dankte innerlich ihrem Schöpfer, daß sie in Ramo solch' treuen und intelligenten Wächter besaß, doch das hatte er ihr freilich nicht gesagt, daß er eines Fuchseisens Aufstellung in dem diesseitigen Kaminschlunde plante, »denn wenn man soviel entdeckt, will man den Lump doch auch haben,« meinte er voll gerechter Entrüstung.

Dolores aber dachte an ihren Traum von dem sich drehenden Kamin, und es überlief sie ein leiser Schauer, als sie die Wirklichkeit mit demselben verglich. Und da sie allzeit ein guter Denker gewesen, so trat die Figur des Doktor Ruß vor ihr geistig Auge.

Sollte ihr dadurch zur Warnung dienen, daß Doktor Ruß – –?