Sie versuchte zu lächeln.

»Uns hat sie aber nicht gemeint,« rief sie, auf das Bild deutend.

»Abergläubische würden das trotzdem glauben,« entgegnete er, »denn drei Zeilen dieses wunderbaren Ergusses zeigen ja geradezu mit Fingern auf uns. Die erste ist auch der Beginn der Prophezeiung, wenn man's überhaupt eine solche nennen will – die andern beiden Zeilen:

Wenn neu sie auflebt in der Huldgestalt,

Die einst im Brautgewande ward gemalt, –

diese Zeilen werden ja lebendig, wenn Sie neben dies Bild treten!«

»Das ist Zufall,« sagte sie lächelnd. »Denn wenn auch diese Zeilen anwendbar sind auf Sie und mich, so wissen wir's doch nicht, ob wir die letzten Falken sind, weil eine Freifrau von Falkner in spe alle Lust bezeugt, die dritte im Bunde zu werden.«

»Ah, das ist freilich ein schlagender Beweis,« erwiderte Falkner, indem er das Buch in ihre Hände zurücklegte.

»Ich hebe es als Familienreliquie auf für –« für Ihre Kinder, wollte sie sagen, brach aber ab und fügte hinzu: »Für Sie.«

Und dann zeigte sie ihm das Geheimfach hinter dem Madonnenbilde des Beato Angelico, und nachdem sie davon noch harmlos eine Viertelstunde verplaudert, empfahl er sich, und sie gab ihm das Geleit bis zur Thür.