»Hier, Hoheit,« antwortete der vom Gitter her, das er nun hinter sich schloß und der Gruppe zuschritt. Seine Stimme aber gab nur das Signal zu einem Schrei- und Weinkonzert, welches nun bei Prinzeß Lolo unaufhaltsam losbrach und zwar mit einer Vehemenz, daß der Herzog sich die Stirn zu trocknen begann und Falkner nicht wußte, ob er stehen bleiben oder vorwärts gehen sollte. Als er letzterem denn doch den Vorzug gab, neben die Prinzeß trat, den Arm um ihre Schultern legte und leise sagte: »Lolo! Ich bin hier,« da sprang sie empor, ballte die niedlichen Fäustchen und stampfte wütend den Boden.

»Du kannst bleiben, wo du warst! Wohl bei ihr, der rotköpfigen Komödiantin! Mich so warten zu lassen – und am ersten Tage unserer Verlobung – geh'. Ich mag dich nicht mehr sehen!«

Ganz erstaunt hatte Falkner diesen Ausbruch über sich ergehen lassen – jetzt zog er ruhig die Uhr hervor.

»Als ich heut' früh nach dem Falkenhofe fortging, sagte mir Lolos Kammerfrau, daß Durchlaucht vor zwölf Uhr mittags niemals draußen erschienen und zu sprechen sei. Es ist jetzt zehn Minuten vor zwölf Uhr,« sagte er.

»Das ist nicht wahr! Es ist mindestens zwei Uhr! Ihr habt die Uhren zurückgestellt, um mich zu täuschen!« tobte das Prinzeßchen weiter, aber nicht mehr so heftig als vorher.

»Kommen Sie, Falkner,« rief der Herzog, dessen Geduld entschieden zu Ende zu gehen schien. »Gegen die Unvernunft giebt's kein Mittel!«

Falkner zögerte einen Moment.

»Lolo! Aber Lolo!« sagte er leise.

Da flog sie an seine Brust und in seine offenen Arme, und vergnügt schmunzelnd ging der Herzog seiner Wege.

»Ja, ja, Sascha hat recht,« dachte er, »für dieses Köpfchen brauchten wir einen Petrucchio. Und fürstliche Petrucchios giebt's nicht. Habe wenigstens nie etwas davon gehört. Wird ja Grund zum Gerede geben, diese Heirat – billiges Vergnügen das – kann man sich gefallen lassen.«