»Ich danke dir,« sagte er mit einem tiefen Atemzuge, »das wiegt den Wert deiner Gabe für meine – meine Frau so reichlich auf, weil es unschätzbar ist.«

Das waren die einzigen Worte, welche sie wechselten, denn nach dem Hochzeitsfrühstück reiste das junge Paar sogleich ab.

Prinzeß Alexandra wollte nichts von einer sofortigen Heimkehr Dolores' nach dem Falkenhofe wissen und behielt sie in Nordland zurück bis zu ihrer eigenen Vermählung, welche zehn Tage später mit großem Pomp und der ganzen Entwicklung fürstlicher Etikette stattfand. Als das Jawort am Altar gesprochen war, trat Dolores an die Seite der fürstlichen Braut, welche wunderschön, weil ganz verklärt, aussah, denn in ihrem Patent war sie zur Palastdame der Großherzogin Alexandra ernannt und übernahm mit dem Augenblicke des Ringwechsels auch alle Funktionen ihres Amtes. Daß aller Blicke sich dabei, wie vorher auch, auf sie richteten, war natürlich vermöge ihrer außergewöhnlich schönen Erscheinung, welche heute, umrauscht von der weißen, golddurchwirkten Courschleppe, zur vollsten Geltung kam, und was das on dit dabei von ihrem Reichtum, ihren Talenten und ihrer kurzen, siegreichen Künstlerlaufbahn sagte, glich schon einem ganzen Roman, da Frau Fama den Mund dabei recht voll nahm, und die gewohnheitsmäßigen bösen Zungen, welche natürlich »Allerlei« wußten, wurden einfach überstimmt und mußten sich auf eine günstigere Gelegenheit vertrösten, wo sie ihren Tropfen Gift loswerden konnten, der, wenn er auch »leider« keine Aussicht hatte, den moralischen Tod der Begeiferten zu verursachen, doch mindestens einen Flecken oder eine Narbe hinterlassen mußte. Ja, ja –

Die Disteln und die Dornen, die stechen gar sehr,

Die falschen, falschen Zungen aber viel, viel mehr! –

Jedenfalls war die demonstrative Freundschaft der nunmehrigen Großherzogin für die junge, interessante Erbherrin vom Falkenhof ein Schild, daran viele der giftigen Pfeile abprallten, denn die Welt verträgt es nun einmal nicht, wenn Schönheit, Reichtum und Genie sich in einer Person, besonders einer weiblichen, vereinen. Und es waren auch vielleicht einige darunter, welche sich einer sehr festen, entschiedenen und unzweideutigen Ablehnung ihrer Huldigungen aus der Zeit erinnerten, da Dolores als Doña Falconieros die Satanella sang – – nun war die Gelegenheit vielleicht gekommen, Rache zu nehmen für diese Abweisungen beleidigender Huldigungen, denen eine schutzlose Frau so leicht ausgesetzt ist. Aber wie gesagt, die Stimmen der Verleumdung und hämischer, vieldeutiger Worte verhallten in dem Chor der Bewunderung für die »Brasilianerin,« deren natürliche, ungemachte Würde, deren reiner, stolzer Blick ihrem Siege auf dem glatten Parkett des Hofes einen sehr soliden Hintergrund verlieh, durch das »noli me tangere,« welches daraus sprach.

Der Hochzeit wohnte natürlich auch der Freiherr von Falkner mit seiner jungen Frau bei, welche in Rosa mit Silber, die Brillantschleife von Dolores an der Brust, rosa Federn und Brillantsterne im Haar, einen Watteau entzückt hätte durch ihre jugendfrischen Reize, welche sie einem Figürchen von Sèvresbiskuit ähnlich machte, und deren sie sich auch voll bewußt war.

Das sah Falkner, und er sah sie auch mit ihrer Jugendschöne kokettieren. Sein Blick suchte unwillkürlich Dolores, auf welche er einst, befangen von Vorurteilen, als auf eine »Komödiantin« verächtlich herabsehen zu müssen geglaubt und deren von jeder Gefallsucht freies, natürliches Auftreten er nicht nur bemerken und anerkennen, sondern auch bewundern mußte. Da war nicht ein Hauch von Koketterie in ihrem Wesen und war es auch auf der Bühne nicht gewesen, weil es ihrem Charakter fern lag, weil ihr Stolz sich dagegen sträubte, die Bewunderung der Welt durch künstliches Hervorheben und Aufmerksammachen auf ihre Schönheit zu provozieren, aber sie war sich auch bewußt, daß ihre Schönheit siegend war ohne diese Mittel und durch das Unbewußte, Keusche, mit dem sie sich gab. Aber der Blick, mit welchem er hinübersah nach ihr, wie sie im weißen Spitzenkleide, die schimmernde, golddurchwirkte Courschleppe zu ihren Füßen, um den wunderschönen, alabasterweißen Hals eine einzige, schlichte Rivière von Diamanten, einen Halbmond von Diamanten im leuchtenden, wie poliertes Kupfer glänzenden, hochaufgesteckten Haar, am Altar stand neben der knieenden Gestalt der hohen Braut, dieser Blick wurde aufgefangen von der jungen Freifrau und erweckte sofort ein heißes Gefühl von Eifersucht in ihrem jungen Herzen. Und als dann die Trauung vorbei war und alles zur Cour sich begab, da trat sie dicht an ihn heran.

»Du!« sagte sie mit halbem Lachen, aber dem Weinen doch näher, »du, ich sage dir, kokettiere nicht mit der schönen Cousine – c'est défendu!«

»Das weiß ich, kleine Weisheit,« erwiderte er freundlich, »aber selbst wenn ich wollte – zum Kokettieren gehören meistens zwei!«