Inhaltsverzeichnis.
| Seite | |
| Vorwort | [V] |
| Einleitung | [1] |
| Allgemeine Toxikologie | [3] |
| Der Begriff Gift | [3] |
| Einteilung der Gifte | [5] |
| Allgemeine Aetiologie der Vergiftungen | [8] |
| Modifikation der Giftwirkung | [12] |
| Wirkungsweise und Schicksale der Gifte | [19] |
| Klinisch-anatomische Diagnose der Vergiftungen | [25] |
| Chemisch-physikalischer Nachweis der Vergiftungen | [28] |
| Der physiologische Nachweis der Vergiftungen | [34] |
| Allgemeine Prognose der Vergiftungen | [44] |
| Die Behandlung der Vergiftungen | [46] |
| Spezielle Toxikologie | [55] |
| I. Mineralische Gifte | [55] |
| Phosphorvergiftung | [55] |
| Arsenikvergiftung | [64] |
| Bleivergiftung. Saturnismus | [77] |
| Quecksilbervergiftung. Merkurialismus | [88] |
| Kupfervergiftung | [100] |
| Zinkvergiftung | [105] |
| Brechweinsteinvergiftung | [107] |
| Sonstige Metallvergiftungen | [112] |
| Kochsalzvergiftung | [116] |
| Salpetervergiftung | [120] |
| Glaubersalzvergiftung | [124] |
| Kainitvergiftung | [125] |
| Vergiftung durch Barytsalze | [127] |
| Vergiftung durch chlorsaures Kali | [130] |
| Vergiftung durch Aetzalkalien | [132] |
| Vergiftung durch ätzende Säuren | [135] |
| Vergiftung durch Essigsäure | [137] |
| Vergiftung durch Oxalsäure | [139] |
| Jodoformvergiftung | [142] |
| Karbolsäurevergiftung | [146] |
| Petroleumvergiftung | [156] |
| Kohlenoxydvergiftung | [159] |
| Leuchtgasvergiftung | [161] |
| Schwefelwasserstoffvergiftung | [162] |
| Alkoholvergiftung | [165] |
| Chloroformvergiftung | [171] |
| II. Pflanzliche Gifte | [182] |
| Kolchikumvergiftung | [182] |
| Klatschrosenvergiftung | [186] |
| Nikotinvergiftung | [193] |
| Strychninvergiftung | [197] |
| Vergiftung durch Kornrade | [203] |
| Vergiftung durch Kichererbsen | [209] |
| Vergiftung durch Taxus | [212] |
| Vergiftung durch Buchsbaum | [214] |
| Vergiftung durch Digitalis | [215] |
| Vergiftung durch Oleander | [219] |
| Vergiftung durch Goldregen | [222] |
| Vergiftung durch Helleborus | [223] |
| Vergiftung durch Veratrin | [226] |
| Vergiftung durch Akonit | [230] |
| Vergiftung durch Atropin | [232] |
| Vergiftung durch Bilsenkraut | [237] |
| Vergiftung durch Stechapfel | [238] |
| Vergiftung durch Kokain | [239] |
| Vergiftung durch Ranunkeln | [242] |
| Vergiftung durch Bingelkraut | [244] |
| Vergiftung durch Wolfsmilch | [247] |
| Vergiftung durch Fleckschierling | [248] |
| Vergiftung durch Wasserschierling | [251] |
| Vergiftung durch Gartenschierling | [252] |
| Vergiftung durch Blausäure | [253] |
| Vergiftung durch Kartoffelkeime (Solaninvergiftung) | [258] |
| Vergiftung durch Taumellolch | [263] |
| Vergiftung durch Flachs | [265] |
| Vergiftung durch Eserin | [267] |
| Vergiftung durch Pilokarpin | [269] |
| Arekolinvergiftung | [271] |
| Vergiftung durch Bucheckern-Oelkuchen | [272] |
| Vergiftung durch Sauerampfer | [273] |
| Vergiftung durch Narzissus | [275] |
| Vergiftung durch Seidelbast | [275] |
| Vergiftung durch Rhododendron | [276] |
| Vergiftung durch Oenanthe crocata | [278] |
| Vergiftung durch Schöllkraut | [279] |
| Vergiftung durch Arum maculatum | [280] |
| Vergiftung durch Asklepias vincetoxicum | [281] |
| Vergiftung durch Stephanskörner | [282] |
| Vergiftung durch Taumelkerbel | [283] |
| Vergiftung durch Steinklee (Kumarin) | [283] |
| Vergiftung durch Flachsseide | [286] |
| Vergiftung durch Antirrhinum majus | [286] |
| Vergiftung durch Terpentinöl | [287] |
| Vergiftung durch Sadebaum | [288] |
| Vergiftung durch Kampfer | [289] |
| Vergiftung durch senfölhaltige Kruziferen | [291] |
| Vergiftung durch Pfeffer | [295] |
| Vergiftung durch Aloe | [296] |
| Vergiftung durch Rizinuskuchen | [298] |
| Vergiftung durch Krotonöl | [303] |
| Vergiftung durch die Semina Ricini majoris | [306] |
| Vergiftung durch Robinia pseudoacacia | [306] |
| Vergiftung durch Kreuzdornbeeren | [307] |
| Vergiftung durch Podophyllin | [308] |
| Vergiftung durch Eicheln | [308] |
| Vergiftung durch Filixextrakt | [309] |
| Vergiftung durch Santonin | [312] |
| Vergiftung durch Adlerfarnkraut | [315] |
| Vergiftung durch Rainfarnkraut | [316] |
| Vergiftung durch Lupinen | [316] |
| Vergiftung durch Wicken und Platterbsen | [319] |
| Vergiftung durch Schachtelhalm | [320] |
| Vergiftung durch Buchweizen | [323] |
| Vergiftung durch Wachtelweizen | [325] |
| Vergiftung durch Baumwollsaatkuchen | [326] |
| Vergiftung durch Mutterkorn | [329] |
| Vergiftung durch Schimmelpilze | [335] |
| Vergiftung durch Brandpilze | [340] |
| Vergiftung durch Rostpilze | [343] |
| Vergiftung durch Kernpilze | [347] |
| Ptomainevergiftung (Fleischvergiftung) | [351] |
| Vergiftung durch Giftschwämme | [357] |
| Diverse andere Giftpflanzen | [359] |
| Anhang. Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet | [367] |
| III. Tierische Gifte | [371] |
| Kantharidenvergiftung | [371] |
| Vergiftung durch Schlangenbisse | [374] |
| Vergiftung durch Bienenstiche | [378] |
| Register | [383] |
Einleitung.
Die Toxikologie, die Lehre von den Giften und ihren Wirkungen auf den Tierkörper (τόξον = Gift; intoxicatio = Vergiftung) bildet neben der Pharmakologie (Lehre von den Arzneimitteln) ein eigenes Fach, das für den Tierarzt fast noch wichtiger ist, als für den Menschenarzt. Die tierärztliche Toxikologie hat nämlich ausser der rein wissenschaftlichen Seite zahlreiche praktische Beziehungen zur Diätetik und Landwirtschaft, zur Seuchenlehre und Veterinärpolizei, sowie zur gerichtlichen Tierheilkunde. Für die Landwirtschaft haben namentlich seit der Einführung neuer Futtersurrogate und künstlicher Düngermittel, sowie mit der Zunahme der Futterverfälschungen die sog. Futtervergiftungen praktische Bedeutung erlangt. Es sei hier nur an die zahlreichen Fälle von Vergiftung durch Baumwollsamen, Rizinuskuchen, Senföl haltige Futterkuchen, Chilisalpeter, Befallungspilze, verdorbenes Futter usw. erinnert. Für die Veterinärpolizei sind verschiedene Vergiftungen von differentialdiagnostischem Interesse wegen der Aehnlichkeit ihrer Symptome mit dem Krankheitsbild gewisser Tierseuchen. Beispiele hierfür sind die Pilz- und Fleischvergiftung (Milzbrand, Rinderpest, Schweinerotlauf), die Mutterkornvergiftung (seuchenhafter Abortus), die Bleivergiftung (Wut) und die Quecksilbervergiftung (Maul- und Klauenseuche, Pocken). Die Toxikologie ist ausserdem für das Verständnis der Pathogenese vieler Seuchen von grundlegender Bedeutung geworden, weil die meisten Infektionskrankheiten pathogenetisch als Intoxikationen aufzufassen sind, d. h. als Vergiftungen durch die von den Infektionserregern (Bakterien) erzeugten Gifte (Toxine). Für die gerichtliche Tierheilkunde sind die sog. Medizinalvergiftungen als Gegenstand der technischen Begutachtung (Entschädigungsklagen seitens der Tierbesitzer) von praktischer Bedeutung. Dieselben sind gewöhnlich auf Fehler in der Dosierung bei der Anwendung stark wirkender Mittel zurückzuführen. Die Häufigkeit dieser Kunstfehler wächst mit der Einführung neuer Applikationsmethoden. Im übrigen ist dieser Zweig der praktischen Toxikologie auch früher schon als sehr wichtig erkannt worden, wie insbesondere die ausführliche Abhandlung der Vergiftungen in der gerichtlichen Tierheilkunde von Gerlach (1872) beweist.
Die Toxikologie zerfällt in einen allgemeinen und einen speziellen Teil. Während die allgemeine Toxikologie Betrachtungen über den Begriff und die Einteilung der Gifte, über Ursachen und Pathogenese der Vergiftungen, über Abhängigkeit der Giftwirkung von inneren und äusseren Verhältnissen, über Erkennung, Behandlung und Nachweis der Vergiftungen ganz im allgemeinen enthält, hat sich die spezielle Toxikologie mit der Aufzählung und Beschreibung der einzelnen Gifte, sowie mit den Veranlassungen, den Krankheitserscheinungen, dem pathologisch-anatomischen Befunde, der Behandlung und dem Nachweise der einzelnen Vergiftungen zu befassen. Die spezielle Toxikologie baut sich mithin ähnlich wie die Pathologie und Chirurgie auf einer Reihe klinischer Fälle auf und hat mit diesen Disziplinen ausserdem noch das gemein, dass sie gleichzeitig auch die Therapie in sich schliesst. In diesem Sinne kann man die Toxikologie wohl auch bezeichnen als die spezielle Pathologie und Therapie der Vergiftungen.
Allgemeine Toxikologie.
Der Begriff Gift.
Je nach dem individuellen Standpunkt kann man den Begriff „Gift“ auf sehr verschiedene Weise definieren. Der Kliniker, der Pharmakologe, der Apotheker, der Jurist und schliesslich der Laie verbinden mit dem Worte Gift verschiedenartige Vorstellungen. Deshalb ist es schwer, eine allgemein gültige und nach allen Richtungen zutreffende Begriffsbestimmung zu geben. Man kann die Schwierigkeiten der Definition dadurch vermindern, dass man zwischen Giften im weiteren und solchen im engeren Sinne unterscheidet. Gifte im weiteren Sinne können alle diejenigen chemisch wirkenden Stoffe genannt werden, auf welche der Körper bezw. das tierische Protoplasma durch Krankheitserscheinungen reagiert. Hierher würden fast alle differenten Arzneimittel gehören. Aber auch Stoffe, welche an und für sich unschädlich und sogar zum Aufbau und Fortbestand des Tierkörpers unumgänglich notwendig sind, wirken unter Umständen durch ihre Menge oder zu starke Konzentration giftig, so das Kochsalz, die Kalisalze, das Fleischextrakt, die Eisensalze, die Salzsäure. Es können ferner ganz indifferente Stoffe, wie das destillierte Wasser oder das Glyzerin, dadurch schwere Vergiftungserscheinungen herbeiführen, dass sie in Abweichung von dem gewöhnlichen Wege der Einverleibung mittels intravenöser Injektion direkt mit dem Blut in Berührung kommen und die roten Blutkörperchen auflösen (Hämoglobinämie). Auch andere, an sich unschädliche Stoffe erzeugen bei einzelnen Individuen Vergiftungserscheinungen, so z. B. der Buchweizen bei unpigmentierten Tieren. Ausserdem würden hierher die Fälle von sog. Idiosynkrasie zu rechnen sein. Früher hat man wohl auch als Vergiftung aufgefasst das Einbringen von Milch, Oel und sonstigen unlöslichen Stoffen in die Venen, wodurch lediglich eine mechanische Verstopfung der Lungenkapillaren mit ihren Folgezuständen bedingt wird. Endlich hat man in der Pathologie die Infektionsstoffe als Gifte bezeichnet; man vergleiche die Ausdrücke „Blutvergiftung“, „Rotzgift“, „Pockengift“. Danach müssten eigentlich auch die pathogenen Bakterien an sich als Gifte im weiteren Sinne des Wortes dem System der Toxikologie einverleibt werden.
Die angeführten Beispiele zeigen, wie notwendig es im praktischen Interesse ist, den Begriff Gift einzuschränken.
Als Gifte im engeren, eigentlichen Sinne dürfen nur solche Stoffe bezeichnet werden, bei welchen die nachfolgenden Voraussetzungen zutreffen: