Bei diesem entsteht der Doppelsinn dadurch, dass das eine Wort zwei homonyme Bedeutungen in sich schliesst und zwar am häufigsten die methaphorische und sinnliche Bedeutung. Diese Witze sind sehr verbreitet und stehen ihrem Werthe nach den Klangwitzen nahe, weil sie sehr wohlfeil sind. Nicht eigentlich wir machen dieselben, sondern die Sprache macht sie für uns. — Auf unterster Stufe steht das Wortspiel mit Namen, von welchem u. A. Falstaff auch ein Beispiel liefert, wenn er zu seinem Fähndrich Pistol sagt: „Drücke Dich aus unserer Gesellschaft ab Pistol". Das Wortspiel ist hierin sogar ein doppeltes. Erstlich das mit dem Worte Pistol, das in der Bedeutung des Namens nicht eigentlich in den Zusammenhang des Satzes passt, (namentlich, wenn wir uns denken, es hiesse etwa: schiesse Dich ab), während die andere Bedeutung einen Sinn giebt, der aber hier nicht gemeint ist. Durch Einzukommen des zweiten
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Wortspiels, oder richtiger Klangwitzes, welcher die Worte „sich abdrücken und sich drücken" für einander substituirt, wird der Witz verdoppelt und dem Wortspiel gewissermaassen der Weg besser gebahnt.
In einer Schule trug der Lehrer die Geschichte des Tobias ganz mit den Worten der heiligen Schrift vor. Bei den Worten „Hanna aber, sein Weib, die arbeitete fleissig mit ihrer Hand und ernährte ihn mit Spinnen", machte ein Mädchen mit Gesicht und Händen die Geberde des Abscheues und Ekels. „Agnes, was hast Du denn?" ruft der Lehrer: Antwort: „Ach Herr Lehrer, ist denn das wirklich wahr?" Lehrer: „Warum zweifelst Du daran?" Kind: „O, weil die Spinnen doch gar zu schlecht schmecken müssen!" — In der vorliegenden Anekdote, so wie sie hier erzählt ist, ist die Aeusserung des Kindes offenbar eine pseudonaive. Die Kleine sagt eigentlich etwas Dummes, aber indem wir uns auf den Standpunkt des in diesem Falle leicht entschuldbaren Missverständnisses stellen, hat sie mit ihren Worten eigentlich ganz recht. Dieselbe Aeusserung können wir aber auch als Witz auffassen und zwar als Wortspiel, wenn wir das Wort „Spinnen" bald in der einen, bald in der anderen Bedeutung in den Zusammenhang substituiren. Einen logischen Sinn geben in vorliegendem Falle eigentlich beide Bedeutungen, doch kann es für den Einsichtsvollen keinen Augenblick zweifelhaft sein, welche von beiden die gemeinte ist. Eine doppelt komische Wirkung entsteht oft dadurch, dass die nicht gemeinte Bedeutung uns zuerst allein aufstösst und wir gerade bei der Substituirung dieser ausserdem noch unsere Schadenfreude befriedigt sehen, wie im folgenden Beispiel. — Ein im Bezahlen seiner Rechnungen sehr säumiger Herr schickt seinen Diener zum Schneider, um diesen zum Maassnehmen für einen neuen Anzug zu sich zu bestellen. „Nun Friedrich"! fragt er den Rückkehrenden, „warst Du beim Schneider? Wann kommt er?" Antwort: „Gnädiger Herr, in einer schwachen Stunde wird er herkommen, hat er g'sagt." — In einer schwachen Stunde soll offenbar soviel heissen wie in einer kleinen Stunde (so wie man von einer starken und schwachen Meile spricht). Die andere Bedeutung, die eigentlich nicht gemeint ist, aber ganz der Situation entsprechend die Ab-
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neigung des Schneiders ausdrückt, für einen so schlechten Zahler weiter zu arbeiten, fällt uns jedoch zunächst auf, und wir lachen deshalb um so mehr. — Es gehört dieser Witz, besonders wenn wir annehmen, dass der Schneider oder der Diener ihn absichtlich gemacht habe, zu den sog. zweideutigen Wortspielen, von denen Kuno Fischer sehr richtig sagt: „Jetzt ist der Doppelsinn nicht mehr harmlos, sondern pikant; das Wortspiel hat nicht blos zwei Bedeutungen, sondern zwei Gesichter, das eine ist Maske, das andere das wahre Gesicht; jenes sieht harmlos aus, dieses hat den Schalk im Nacken."
Bei einer anderen Klasse der Wortspiele ist es nicht die homonyme Bedeutung eines Wortes, sondern die doppelte Bedeutung, die dadurch entsteht, dass ein Wort dem Zusammenhang des Ganzen entsprechend (und zwar nicht immer ganz correct) in einem weiteren oder engeren Sinne gebraucht und dann im Witze plötzlich in seine wirklichen Grenzen zurückgewiesen wird. Ich nenne diese Wortspiele deshalb
b) limitirende Wortspiele
und führe zuerst solche an, bei denen ein Begriff, der eigentlich eine weitere Bedeutung hat, zunächst in einem engeren Sinne gebraucht wird und in diesem in den Zusammenhang des Ganzen nicht hineinpasst, während die Substituirung der eigentlich richtigen, weiter umfassenden Bedeutung, an die wir aber erst erinnert werden müssen, einen richtigen Sinn ergiebt. Fast sämmtliche Beispiele, die Schopenhauer vom Witz giebt, gehören in diese eben genannte Klasse und wir werden das gewissermaassen begreiflich finden, wenn wir uns der Schopenhauer'schen Definition des Lächerlichen erinnern. Die paradoxe und daher unerwartete Subsumtion eines Gegenstandes unter einen ihm übrigens heterogenen Begriff gilt ihm als das Kennzeichen des Lächerlichen. Dabei soll beim Witz das Auffinden dieser Incongruenz vom Anschaulichen zum Begriff übergehen. Schopenhauer erzählt folgende Witze:
Ein Gascogner geht bei strenger Winterkälte in leichter Sommerkleidung umher. Der König, der ihm begegnet, lacht über ihn, worauf der Gascogner sagt: Hätten Ew. Majestät an-