Fig. 30.
Umordnung und Spaltung der Schleifen.

Fig. 31.
Stadium der Tochtersterne; die Spindelfasern reissen in der Mitte durch.

Fig. 32.
Durchschnürung des bisquitförmig gewordenen Kerns.

Fig. 33.
Eine Euglypha mit Stacheln im encystierten Zustande. D Diaphragma — a. s. äussere Schale — i. s. Innere Schale — C Cystenhülle.

Noch haben wir nicht alle Lebensvorgänge der Euglypha verfolgt: Bei ihrem Aufenthalt in den oft seichten stehenden Gewässern kann es nicht ausbleiben, dass die Euglypha der Gefahr des Austrocknens oder Einfrierens ausgesetzt ist. Davor weiss sie sich wie die meisten übrigen Urtiere und Urpflanzen durch die sogenannte Einkapselung oder Encystierung zu schützen ([Fig. 33]): Sie zieht die Pseudopodien ein und schliesst das Gehäuse vorn durch einen Deckel, das Diaphragma (D) ab; ausserdem baut sie sich aus den Reserveplättchen innerhalb ihres Gehäuses (a. s.) noch ein zweites, kleineres, bei welchem die Plättchen weiter übereinandergreifen und das vorn geschlossen ist (i. s.). Innerhalb der zweiten Schale zieht sich nun der Protoplasmakörper zu einer Kugel zusammen und um diese wird erst die eigentliche Cystenhaut (C) ausgeschieden. In diesem Zustande ist die Euglypha vor Trockenheit und Frost geschützt.

Die Encystierung ist aber auch ein wichtiges Mittel zur Verbreitung der Art. Mit dem Staube werden solche Cysten weit fortgetrieben, Wasservögel und Wasserinsekten tragen sie im Schlamm, der da und dort an ihrem Körper haften bleibt, mit sich weg in entfernte Gewässer. Ja es scheint, dass die Spitzen und Stacheln, welche manche Süsswasserrhizopoden an ihrer Schale haben (s. [Fig. 16]) und welche, wie schon erwähnt, auch bei Euglypha vorkommen ([Fig. 17]), als Haftapparate anzusehen sind, um den Transport zu begünstigen. Dieser passiven Wanderung verdanken die Urtiere offenbar ihre weite Verbreitung[69], darauf beruht es, dass gerade die schalentragenden Wurzelfüsser des süssen Wassers, so weit man bis jetzt weiss, alle sogenannte kosmopolitische Arten sind[70].