Erster Brief.

Bremen im Juni 1839.

Landreise von Weimar nach Bremen.

Gott zum Gruß an Euch alle meine Lieben!

Das Ziel der Landreise ist glücklich erreicht und unsere Karavane nach manchen überstandenem Ungemach am 12. d. M. früh 9 Uhr hier angekommen.

War schon die Erinnerung an den Abschied von Allem was uns lieb und theuer ist, nicht geeignet, den Anfang einer solchen Reise angenehm zu machen, um so mehr mußte die ungünstige Witterung der ersten Tage dazu beitragen, das Gemüth niederzudrücken und den Muth der Reisegesellschaft herabzustimmen.

Auf Wittigs Höhe[1], dem Sammlungsort der Reiselustigen, wohin mir einige Freunde das Geleite gaben, wurde von den jungen Leuten zum Abschied so lange gezecht, gesungen und gesprungen, bis die mit dem Gepäck, Weibern und Kindern beladenen Wagen ankamen und zum Aufbruch mahnten.

Obgleich mir das Herz durch den Abschied von Weib und Kindern zerspringen wollte, war ich doch bis hierher Herr meiner Gefühle, dem Vorsatz treu geblieben, als Mann standhaft das unternommene Werk zu beginnen und mit Gottes Schutz und Beistand auszuführen. Als aber beim Scheiden das Lied: „Nun leb’ denn wohl, du stilles Haus!“ angestimmt wurde, und Viele sich zum letzten Male die Hände drückten und für dieses Leben auf immer Abschied nahmen, da vermochte auch ich die Thränen nicht länger zu unterdrücken, welche dem beengten Herzen Luft zu machen suchten, empfahl nochmals den zurückkehrenden Freunden Frau und Kinder und eilte dem Wagen voraus, der mich, erst langsam nachfolgend, in Linderbach[2] einholte, wo ich, an Leib und Seele ermattet, weilte.

Was ich auf diesem Wege gedacht und empfunden, vermag ich nicht zu beschreiben. Wie ein gehabter Traum nach dem Erwachen nur noch dunkel dem Gedächtniß erinnerlich ist, so stand mein Lebenslauf vor meiner Seele, und jetzt noch frage ich mich oft: wachst du, oder ist Alles nur ein Traum, was du wachend erlebt zu haben glaubst?