Auch dieser Familie hatte in Amerika das Glück nicht gelächelt, von welchem sie in der alten Heimath geträumt. — In Baltimore gelandet, fand der Mann bei einem reichen Tischler und Möbelhändler als Lackirer einen solchen Verdienst, der zwar bei angestrengter Arbeit den Lebensunterhalt sicherte, nicht aber die Möglichkeit gab, die Reisekosten wieder zu erübrigen. Letzteres bestimmte ihn, dieses Geschäft wieder aufzugeben, um mit einem Zimmermaler ein Kompagniegeschäft zu arrangiren, welches besser rentiren sollte. Doch das Letztere war nicht der Fall und da Ersterer einen Ruf nach Cincinnati, um daselbst eine Kirche zu malen, ausschlug, so nahm Tanneberg für ihn den Auftrag an und machte mit Frau und Kind die weite Landreise, in dem Glauben, selbstständig das bis hieher Zugesetzte bald wieder verdienen zu können.
Die angefertigten Skizzen und Zeichnungen über Styl und Ausführung der Kirchen-Malerei wurden von dem Gemeinde-Vorstand anerkannt, ebenso die verlangte Summe für Ausführung der Arbeit genehmigt, als aber die Kirche noch für das nöthige Gerüste zum Malen stehen sollte, zerschlug sich der Handel, die Arbeit unterblieb und der betrogene Maler wurde wieder in die kritische Lage versetzt.
An einem fremden Ort, ohne alle Bekanntschaft und Fürsprache, mußte er allein, da die Frau selbst immer kränklich war, sich und seine Familie drei Monate lang durch allerhand saure Arbeiten durchzuhelfen suchen, wobei die letzten mit über See gebrachten Louisd’or’s noch vollends zugesetzt wurden. Doch in diesem Lande gilt als erste Regel: nur nicht den Muth verloren! Denn auch sein Geschick sollte sich von Neuem wenden.
Ein reicher Kleiderhändler, das Mode-Journal der Stadt, welcher sich zur Aufgabe gemacht, Alles in Cincinnati noch nicht Vorhandene zuerst zu besitzen, hörte von dem Zimmermaler und übertrug ihm die Arbeit in seinem Laden auszuführen. Eben noch damit beschäftigt, kam ich zu ihm und mit wahrer Freude hörte ich oft, wenn er die Kunde mit nach Hause brachte, daß seine Leistungen Anklang fänden und er deshalb einer bessern Zukunft entgegen sehen könne[42].
Der gehabte Verlust machte meinen Plan, als Volontär auf einer der größern Farmen hiesiger Gegend die Welschkorn-Brennerei zu erlernen, unmöglich und die zerrüttete Gesundheit, welche sich nicht wieder regeln wollte, um Lohn zu dienen, zur Zeit unausführbar. Ich nahm daher den Vorschlag meines Freundes Aacke mit Freuden an, um mit ihm, auf vorgestreckte Kosten, die westlicher gelegenen Staaten zu bereisen und bis New-Orleans, wohin er berufen, die Reise fortzusetzen, welche nach Verlauf von 14 Tagen anzutreten sey, bis wohin sein Nachfolger eingetroffen seyn werde.
Schon in meinem frühern Plane lag das Projekt, diese Tour zu machen und da vorzüglich die Jahreszeit die Ausführung begünstigte, ich mich auch bis zur Ankunft in dem von hier noch 540 Stunden entfernt liegenden New-Orleans wohler zu befinden glaubte, um dort, wo alle Arbeit doppelt bezahlt werden sollte, mir den Bedarf zur Rückreise zu verdienen, so sagte ich zu und füllte die noch bis zum Abgang übrige Zeit mit Sehen, Hören und Aufnotiren alles mir Merkwürdigen dieser Stadt aus.
Einundzwanzigster Brief.
Im Dezember 1839.