Die erste Frage lautete: Welchen Einfluss übt der alleinige Aufenthalt an der See auf den Stoffwechsel aus? Wir antworten hierauf auf Grund der IV. Untersuchungsreihe: einen unbedingt beschleunigenden; d. h. die Ausgaben des Organismus werden auf der Insel um ein Bedeutendes—im vorliegenden Falle um 1⁄8—gesteigert. Sollen diese vermehrten Ausgaben gedeckt werden, so muss selbstverständlich eine grössere Quantität von Nahrungsmitteln dem Körper zugeführt werden, als auf dem Festlande erforderlich war; wir haben damit die Erklärung des allseitig wahrgenommenen, gehobenen Nahrungsbedürfnisses gewonnen.—Aber es findet gleichzeitig das interessante Verhältniss seine Bestätigung, dass eine derartige Beschleunigung des Stoffwechsels, oder, was dasselbe ist, ein gesteigerter Oxydationsprocess, nicht zur Vermehrung, sondern zur Verminderung zweier Secretionsprodukte führt: der Harnsäure nämlich und der Phosphorsäure; und es ist nach den oben gegebenen Mittheilungen sicher Folge dieses Verhältnisses, dass auf der Insel durch die Vermehrung der Einnahmen die Ausgaben nicht nur gedeckt werden, sondern sogar eine neue Anbildung Platz greift, d. h. der Ernährungsprocess des Körpers gehoben wird. Der ausschliessliche Genuss der Luft bedingt, trotz allgemeiner Beschleunigung des Stoffwechsels, eine Körpergewichtszunahme und glaubten wir diese Wirkung entschieden auf den directen und indirecten Gewinn an Phosphorsäure reduciren zu müssen, so geht aus den spätern Untersuchungen hervor, dass in dieser Beziehung der ausschliessliche Genuss der Luft eine bedeutendere Wirkung hat, als der gleichzeitige Gebrauch des Bades. Wo es deshalb insonderheit auf Hebung des Ernährungsprocesses, auf Gewinn an Phosphorsäure ankommt, da möchte der ausschliessliche Genuss der Luft dem gleichzeitigen Gebrauch der Bäder entschieden vorzuziehen sein, und namentlich für atrophische Kinder, Patienten mit sehr geschwächtem Nervensystem, mit einem Worte, überall da, wo es auf Substanz- und Kraftgewinn abgesehen ist, muss man den ausschliesslichen Luftgenuss empfehlen, den Gebrauch der Bäder aber immer nur bedingungsweise erlauben. Wir haben, das ist keine Frage, kein zweites Agens, welches, wie die Seeluft, so unvermerkt, und doch so intensiv beschleunigend auf den Stoffwechsel einwirkt; und darin besteht eben ihr grosser Vorzug, dass sie anstrengende körperliche Bewegung nicht nur nicht erfordert, sondern sogar dann am wohlthätigsten und kräftigsten wirkt, wenn eine gewisse Ruhe im gesammten Verhalten beobachtet wird, eine Ruhe, die bei andern ähnliche Heilzwecke verfolgenden Curen, so selten zu ermöglichen und doch für eine Hebung des Ernährungsprocesses und insonderheit der Kraft des Nervensystems so nothwendig ist. In dieser Weise zeichnet sich ihre Wirkung u. a. vor der der s. g. Wasserkuren, der Fussreisen u. s. w. aus. Vor andern Curen, und ich meine insonderheit Trinkcuren an salinischen Quellen, hat sie wieder das voraus, dass sie dem Organismus nicht gleichzeitig Stoffe einverleibt, deren Wirkung nur zu leicht schädlich wirkt, denn mag auch z. B. das kohlensaure Alkali in reichlichen Mengen Wassers gelöst immerhin eine Beschleunigung des Stoffwechsels, und selbst eine bedeutende, herbeiführen, es wird bei der Vornahme solcher Curen nur zu leicht übersehen, dass die alkalischen Basen auch wieder Feinde einer Anbildung neuen Materiales, einer Zunahme am Körpergewicht sind, ein Verhältniss, dessen weitere Begründung ich a. a. O.[20] versucht habe, mich hier aber zu weit vom Wege abführen würde.—Damit sei jedoch jenen Curen kein Vorwurf gemacht, im Gegentheil, für manche Fälle sind sie gar nicht durch andere zu ersetzen. Aber es ist Aufgabe des Arztes sich der Einzelwirkungen seiner Heilmittel klar bewusst zu sein; dann erst kann er bei richtiger Individualisirung, d. h. bei richtiger Diagnose verordnen. Und nun noch eine praktische Bemerkung. Wenn sich der Einfluss der Seeluft schon bei Patienten, die auf der Insel ihr Heil suchen, in unverkennbarer Weise zu erkennen giebt, so erhält die dargelegte Art und Weise ihrer Wirkung nicht minder durch den Gesundheitszustand eine Bestätigung, den wir bei den Einwohnern der Inseln wahrnehmen. „Bemerkenswerth ist es jedenfalls“, sagt Riefkohl in seinen „Mittheilungen aus Norderney“[21], „dass unter den Eingeborenen Norderney’s Brustleiden, wie Lungenentzündung, Bluthusten, Schwindsucht kaum dem Namen nach bekannt sind, dass ferner unter den im dortigen Kirchenbuche angegebenen Todesursachen Schwindsucht nie sich aufgeführt findet.“ Und solche Resultate haben meine Nachfragen ebenfalls auf Wangeroge geliefert. Mir war die schlanke Gestalt, das blühende Aussehen insonderheit des jüngern Theils des weiblichen Geschlechts auffallend; ich habe keine Chlorosen, keine nur im Entferntesten auf Tuberculose deutende Constitution gefunden und unter den Kindern namentlich habe ich ganz vergeblich nach irgend einer Form des s. g. scrophulösen Leidens gesucht, ein Leiden, dem wir bekanntlich auf dem Festlande und in unserer Zone fast bei jedem Schritt auf der Strasse begegnen. Das hat aber eben darin seinen Grund, dass alle die genannten Leiden, und besonders die Scrophulosis und Tuberculosis, dieser „cancer in the root“, wie sie ein berühmter englischer Arzt, Mr. Coulson, nennt, in einer retardirten Stoffmetamorphose mit all ihren nothwendigen Folgezuständen, ihre Entstehung finden; was die Metamorphose in einer Weise befördert, wie es die Seeluft thut, muss, nach rationellem Schluss, auch das beste Heilmittel für sie sein.—

[20] Cf. Entwickelungsgeschichte der Oxalurie.

[21] S. Medicin. Conversations- und Correspondenzblatt für die Aerzte im Königreich Hannover. 1853. Nr. 16. pag. 125.

Ich habe einen grossen Theil dieser Heilwirkung dem Gewinn an Phosphorsäure, den der Organismus auf der Insel erfährt, zugeschrieben. Man wird mir einwenden, dass sich denn doch ein ähnliches Resultat durch Darreichung von Phosphorsäure in Form eines Heilmittels müsse erreichen lassen. Allein es ist von mir a. a. O.[22] nachgewiesen, dass die in dieser Form dem Organismus einverleibte Phosphorsäure, denselben alsbald wieder mit dem Urin verlässt und nur zur Hinwegnahme einer gewissen Quantität alkalischer Basen führt.—Ich hätte vielleicht richtiger sagen sollen: die Heilwirkung beruhe zum grossen Theil auf directem und indirectem Gewinn an phosphorsauren Erden (Kalk und Magnesia), da es von dem phosphorsauren Kalk ja eben bekannt ist, dass er ein durchaus nothwendiges Requisit für den Ernährungsprocess abgiebt. Allein ich habe mich streng nur an das gehalten, was meine Untersuchungen ergeben haben, und muss es künftigen Forschungen zu entscheiden überlassen, ob der bezeichnete Gewinn an Phosphorsäure einen Gewinn an Phosphorsäure allein, oder einen Gewinn an phosphorsaurem Alkali oder endlich einen Gewinn an phosphorsauren Erden (insonderheit Kalk) bezeichnet. Nach Allem, was ich über die Bedeutung des phosphorsauren Kalkes für den Ernährungsprocess selbst und von Andern erfahren habe, muss ich glauben, dass das Letztere der Fall ist, und ich zweifle nicht, dass die chemische Analyse solches mit aller Bestimmtheit nachweisen wird. Meine Beobachtungen über die Wirkung des phosphorsauren Kalkes in ähnlichen Zuständen, wie durch den Genuss der Seeluft geheilt werden, ist zu oft und von zu vielen Seiten bestätigt, als dass ich den Ansichten der negirenden Kritiker ein grosses Gewicht beilegen könnte. Und wenn namentlich Donders, in seinem Schriftchen „die Nahrungsstoffe u. s. w. 1853“ sagt, dass es eine rohe Chemiatrie sei, den phosphorsauren Kalk mit solchen Voraussetzungen als Heilmittel darzureichen, dass all dessen Wirkung ja ebensowohl durch Milchgenuss erreicht werden könne, da die Milch phosphorsauren Kalk in genügender Quantität enthalte, so muss Donders zunächst Thatsachen beibringen, durch die er eine derartige Wirkung der Milch nachweist, er muss aber andrerseits auch ebensowohl annehmen, dass die Milch alle Krankheiten heilt, in denen es dem Organismus an Eisen, an Fett u. s. w. fehlt. Ich habe ihm nur zu erwidern, dass ich die Milch für das trefflichste Nahrungsmittel für Gesunde und für viele Kranke, nicht aber für ein Heilmittel halte, das, bei einer dem gesunden Aufbau des Organismus entsprechenden Zusammensetzung, gleichzeitig auch Verluste ersetzen kann, die der Organismus in jahrelangem Siechthum erfahren hat. Nach Donders Princip muss ein Mann, der eine seine Ausgaben gerade deckende Einnahme hat, mit dieser Einnahme auch alle Schulden bezahlen können, die er früher etwa gemacht hat. So viel ich weiss, ist das noch Niemandem möglich gewesen.—

[22] Archiv des Vereins für gem. Arb. Bd. I. Heft 4.

Unsere zweite Frage lautete: Wie verhält sich der Einfluss der Seeluft auf den Organismus, wenn täglich ein Seebad genommen wird? Wir antworten hierauf, dass das Seebad den Einfluss der Seeluft in gewisser Beziehung noch erhöht, in gewisser Beziehung aber auch beeinträchtigt.—Es kann nach den obigen Mittheilungen nicht zweifelhaft sein, dass durch das Seebad die Metamorphose der stickstoffhaltigen Körperbestandtheile noch beschleunigt wird; und erinnern wir daran, dass wir in dem gefundenen Werthe des Harnstoffs nicht das wahre Maass des Stoffwechsels erblicken zu können, vielmehr annehmen zu müssen glaubten, dass in Folge der Bad-Einwirkung circa 2 Grm. Harnstoff mehr als gewöhnlich auf anderm Wege und in andrer Form (als kohlensaures Ammoniak durch die Haut) den Organismus verliessen, so stellt es sich heraus, dass die Wirkung des Bades an und für sich eine Beschleunigung des Stoffwechsels bedingt, die ungefähr der des Luftgenusses gleich kommt.—Von der ganzen Wirkung des „Seebades“ kommt in dieser Beziehung also die eine Hälfte auf die Luft, die andre Hälfte auf das Bad, und in dieser Berechnung sind wir dem Bade eher zu günstig, als nachtheilig.—Aber das Bad includirt eine andre Wirkung. Es bedingt eine absolut vermehrte Harnsäureproduction im Organismus, bedingt damit im zweiten und dritten Gliede eine vermehrte Oxalsäureproduction und vermehrte Ausscheidung von Phosphaten, und beeinträchtigt somit den reichen Gewinn an Phosphorsäure, die bedeutende Hebung des Ernährungsprocesses, welche der Organismus bei ausschliesslichem Luftgenuss erfuhr. Ich habe mich schon oben darüber ausgesprochen, welch bedeutsame Winke hieraus für Aerzte und Patienten hervorgehen, und der Wichtigkeit des Gegenstandes entsprechend, mag es hier nochmals hervorgehoben werden, dass dieserhalb das tägliche Bad sehr geschwächten Individuen nur selten zu erlauben, dass ferner Alles, was den Körper ausserdem fatiguiren könnte, während der Badezeit streng zu untersagen ist. Fatigue bedingt allemal Retardation der Metamorphose, und durch eine solche wird die nachtheilige Einwirkung des Seebades bezüglich der Hebung des Ernährungsprocesses nur noch gesteigert.—Hat man im Allgemeinen kräftige Individuen vor sich, bei denen eine gesteigerte Metamorphose der stickstoffhaltigen Körperbestandtheile den Hauptzweck der Cur ausmacht, so lasse man immerhin täglich baden, tüchtige Promenaden machen u. s. w.; aber ein vorhandener Schwächezustand gebietet auch jedesmal das Gegentheil. Hier entspringen in jedem einzelnen Falle Fragen, die nur durch die sorgfältigste Ueberlegung und umsichtigste Kritik des Arztes entschieden werden können, und nicht selten wird der Patient mit hinreichender Bestimmtheit durch körperliches Unwohlsein darauf hingewiesen, dass in seinem Verhalten doch wohl irgend welche Fehler liegen müssen, die ihm den ärztlichen Rath nicht länger entbehrlich machen.—Er ist fatiguirt, er will sich durch weite Spaziergänge am Strande beleben; aber die Fatigue wird schlimmer, als zuvor; er will sich durch Wein und kräftige Kost „Kraft“ verschaffen, aber seine Digestionswerkzeuge sind zu schwach für solche Angriffe und der gastrische Catarrh, mit allen möglichen Erscheinungen, bleibt nicht aus; er schläft nicht, er will den Schlaf mit Ermüdung durch körperliche Bewegung erzwingen, aber der schlechte Erfolg der Cur bleibt nicht aus, und unbefriedigt verlässt er die Insel.—Doch ich beschränke mich auf die Betrachtung der allgemeinen Wirkungen des Seebades. Den Seebadeärzten bleibt es überlassen, die Richtigkeit derselben in den einzelnen Fällen zu prüfen und sie im günstigen Falle als leitende Principien festzuhalten. Es existirt kein einziges Leiden, so localer Natur es auch sein mag, bei dem nicht die allgemeinen Verhältnisse des Lebens-, des Ernährungsprocesses in’s Auge gefasst werden müssten; es ist die schwierigste Aufgabe des Arztes die einzelne Krankheitserscheinung mit den allgemeinen Gesundheitszuständen in den richtigen Zusammenhang zu bringen; an eine gründliche Heilung ist aber nimmer zu denken, wenn dieser Zusammenhang nicht richtig erfasst, wenn die allgemeine Wirkung des Seebades nicht neben der für einzelne Fälle besondern erfasst wird, und deshalb ist ihre Kenntniss unerlässlich nothwendig.

Ich komme zur dritten Frage: Welchen Einfluss übt das Seebad momentan, welchen in je 24 Stunden auf den Stoffwechsel aus. Wir antworten hierauf: dass das Seebad niemals und zu keiner Tageszeit die beschleunigende Einwirkung auf den Stoffwechsel auszuüben verfehlt; dass sich diese Beschleunigung aber in den Morgenstunden, namentlich durch eine bedeutend gesteigerte Hautthätigkeit, Nachmittags und Nachts dagegen wieder durch eine Vermehrung der Auswurfsstoffe im Urin zu erkennen giebt; dass ferner insonderheit die absolut gesteigerte Harnsäureproduction unmittelbar nach dem Bade zum Vorschein kommt und sich durch vermehrten Harnsäuregehalt des Urins ausspricht, Nachmittags und Nachts dagegen der Harnsäuregehalt um die Hälfte weniger gesteigert ist, als am Morgen.—Die beschleunigende Einwirkung des Bades auf den Stoffwechsel besitzt also ohne Frage in den Morgenstunden, wo das Bad genommen wird, eine grössere Intensität, als in der übrigen Tageszeit, aber sie hört deshalb nicht auf, stets vorhanden zu sein. Dieses Ergebniss führt uns wieder zu einigen praktischen Schlussfolgerungen. Es wurde oben schon erwähnt, dass eine Beschleunigung des Stoffwechsels allemal auch ein gewisses Quantum von dem Nervensystem angehöriger „Kraft“ in Anspruch nehme.—Ist nun durch das Bad die Stoffmetamorphose gewissermaassen bis zu einem Maximum getrieben, so würde es ein gänzlicher Irrthum sein, wollte man dieser Bad-Wirkung durch ermüdende Anstrengung noch eine weitere Ausdehnung geben.—Sobald also nach einem kurzen und ruhigen Spaziergange die gesteigerte Thätigkeit der Haut hervorgetreten ist, lasse man in allen Anstrengungen nach, widme sich einer ruhigen Beschäftigung womöglich in freier Luft, hüte sich nur vor scharfer Zugluft, die die Hautthätigkeit stören könnte, und gebe sich selbst, wenn es erforderlich, d. h. eine grosse Neigung dazu vorhanden ist, einer kurzen, vollkommnen Ruhe hin.—Die Hautthätigkeit ist bald nach dem Bade bedeutend gesteigert; man unterstütze diese heilsame Wirkung, leite sie aber nicht alsbald dadurch ab, dass man wieder innere Organe in Thätigkeit bringt. Ein zu reichliches Frühstück, alsbald nach dem Bade genossen, kann nur schädlich wirken; während etwa 1 - 11⁄2 Stunden nach dem Bade dem gesteigerten Nahrungsbedürfniss durch mässigen Genuss von etwas altem Wein, einer leichten Fleischspeise u. s. w. ohne Schaden nachgegeben werden darf.—Ich empfehle „etwas Wein“, ein Glas Portwein, Madeira oder dgl. insonderheit deshalb, weil dasselbe dazu dienen soll, dem durch das Bad ohne Frage und in den meisten Fällen fatiguirten Zustande des Nervensystems abzuhelfen; es darf an einer gewissen Kraft des letztern nicht fehlen, falls die volle Wirkung des Bades, die Beschleunigung des Stoffwechsels, zu Stande und zur Ausführung kommen soll. Entnervte Constitutionen frieren nach dem Bade, statt zu transpiriren, und verfallen in eine Müdigkeit, der sie sich den ganzen Tag über nicht wieder entreissen können.

Ich hatte es mir zur Aufgabe gestellt, die momentane Wirkung des Seebades noch weiter durch eine genaue Beobachtung der Körpertemperatur, der Respiration und des Pulses vor und nach dem Bade zu studiren. Nur in letzterer Beziehung ist es mir jedoch gelungen, einige Resultate zu gewinnen; zu erstern fehlte es mir geradezu an Zeit und an Individuen, die sich zu einer genauern Beobachtung eigneten. Auch die Resultate der Pulsbeobachtungen befriedigten mich noch keineswegs, da das verschiedene Verhalten vor dem Bade, der Act des Ankleidens nach dem Bade, das rasche Auf- und Niedergehen vieler Herrn am Strande nachdem sie die Karre verlassen hatten, zu leichten Irrthümern Anlass gab. Im Wesentlichen schien sich mir aber folgendes Resultat herauszustellen: das Bad selbst wirkt unmittelbar bedeutend beschleunigend auf die Anzahl der Herzcontractionen, der Puls wird dabei voller und härter; alsbald aber beginnt er langsamer zu werden, und hebt er sich auch anfänglich wieder bei einem etwaigen Spaziergange, so sinkt er nach und nach doch wieder bis zu einer Tiefe, die er vor dem Bade nicht hatte. Er wird langsamer, und diese Retardation traf ich immer dann, wenn die gesteigerte Hautfunction sich in einem Feuchtwerden der Haut, angenehmer Hautwärme u. s. w. kund zu geben begonnen hatte. Als Beispiele mögen folgende Verhältnisse, die ich bei Männern, von 30-50 Jahr alt, beobachtete, dienen:

Vor
dem Bade.
Unmittelbar
nach
dem Bade.
Nach dem
Ankleiden.
Nach
1⁄2 Stunde.
Herr F.:6862kräftige, mehr zum
Vergnügen, als zur
Cur badende Indivi-
duen.
L.6466
H.7680
v. A.767864
v. St.7888 Cardialgie.
G.90114 Hypochondrie.
B.961089284 Hyperaem. abdom.
D.96114 Haemorrhoidarius.
v. W. 6090 ?
v. P.8084 Hypochondrie.
W.8496 Irritat. spinal. (?).
u. s. w.

Es ergiebt sich aus diesen wenigen Angaben, wie sehr verschieden bei verschiedenen Individuen die durch das Bad bewirkte Beschleunigung der Herzcontractionen ausfällt; es muss dies von der geringern oder grössern Impressionabilität des Nervensystems abhängen; bemerken will ich aber zugleich, dass ich bei allen denjenigen, die nach dem Ankleiden nur eine geringe Beschleunigung des Pulses zeigten, auch zu derselben Zeit schon allgemeine Hautwärme, selbst gelinde Transpiration eintreten sah, während diejenigen, welche einen bedeutend beschleunigten Puls hatten, länger fröstelten[23]. Es lohnt sicher der Mühe, diese Verhältnisse genauer zu verfolgen, um eine richtige Anschauung von der verschiedenen momentanen Wirkung des Seebades auf verschiedene Individuen zu gewinnen. Aber es bedarf dazu grosser Ausdauer, Berücksichtigung aller vor, in und nach dem Bade auf den Puls influirenden Momente, und oftmaliger Wiederholung der Versuche.