4. Ist es wahr, dass der Aufenthalt an der See und der Gebrauch des Seebades zunächst eine Abmagerung herbeiführen?
5. Welche weitern objectiven oder subjectiven Erscheinungen im Befinden sind mit Sicherheit als Erfolge des Seebades und des Aufenthalts an der See zu betrachten?
Um diese Fragen zu lösen, war, wie schon oben bemerkt, vor Allem eine möglichst genaue Kenntniss meines eigenen Stoffwechsels erforderlich. Es wurde demnach schon im Januar d. J. eine 5tägige, sodann im Februar eine 15tägige Untersuchungsreihe vorgenommen, täglich jedoch der Urin nur einmal analysirt, dagegen Darmentleerungen und Quantität der festen Speisen so genau als möglich bestimmt, Bestimmungen, die mich eben zu der oben angeführten Ueberzeugung in Betreff ihrer Mangelhaftigkeit, führten.—Vom 5ten bis 8ten Juli wurden darauf in Oldenburg die speciellen Voruntersuchungen (2malige tägliche Urinanalyse) vorgenommen, und am 15ten Juli begannen die Untersuchungen in Wangeroge, während am 10ten und 11ten die Reise dorthin stattfand.—4 Tage lang wurde dann ausschliesslich die Einwirkung des Aufenthalts auf der Insel ohne Bad studirt; die folgenden sieben Tage waren der Untersuchung über die Wirkung dieses Aufenthaltes inclusive eines täglichen Bades gewidmet. Bei der in Wangeroge bestehenden Regel jedoch, dass nur zur Zeit der herannahenden Fluth gebadet wird, fiel das Bad in den ersten dreien dieser sieben Tage in die Nachmittagsstunden zwischen 1 u. 3 Uhr, und ich beschränkte mich deshalb in ihnen darauf, eine einmalige Analyse des Urins in 24 Stunden vorzunehmen; vom 20sten bis 24sten Juli wurde dagegen in der oben beschriebenen Weise verfahren und hatte das am frühen Morgen genommene Bad besondere momentane Wirkungen, so musste ich sie jetzt klar erkennen.
Vom 24sten Juli bis 4ten August stand ich von Untersuchungen ab; nur wurden vom 24sten-30sten Juli die Quantität der Getränke, Quantität des Urins zu verschiedenen Tageszeiten, sein specifisches Gewicht, seine Farbe und Reaction notirt. Es geschah dies aus dem Grunde, weil ich es für erforderlich hielt, mich nicht täglich 5-6 Stunden im Laboratorium, einem nur kleinen Stübchen aufzuhalten und angestrengt zu arbeiten, sondern mich eben ganz dem Verhalten der eigentlichen Seebade-Patienten anzuschliessen, mit ihnen am Strande zu promeniren, möglichst viel im Freien zu verweilen, geselligen Unterhaltungen nachzugehen u. s. w.—Täglich wurde dabei, mit Ausnahme des 30sten und 31sten Juli, an denen eine See-Fahrt nach Norderney unternommen wurde, ein Seebad genommen.—Am 4ten August wurden die Beobachtungen aber wieder begonnen und bis zum 12ten Aug. fortgesetzt.—Es schien mir, um so mehr als sich auch bei mir, wie bei fast allen Patienten, Erscheinungen der Fatigue kund gaben, zugleich räthlich, auch die Wirkung eines 2tägigen Aussetzens des Bades zu studiren. Es wurde also am 6ten und 7ten Juli das Bad ausgesetzt; dann aber wieder vom 8ten bis 12ten täglich gebadet und wie an allen Tagen dieser Periode täglich eine 2malige Untersuchung des Urins vorgenommen. Schliesslich wurden nach der Rückkehr aus dem Seebade in Oldenburg wieder die gleichen Beobachtungen angestellt; eine zweimalige 3tägige Periode schien genügend, um sichere Resultate zu erlangen.—
Für eine kurze Mittheilung, ein Resumé der gesammten Untersuchungen würde es nun genügend sein, die in den verschiedenen Perioden gefundenen Mittelzahlen anzugeben. Allein es scheint mir der Wichtigkeit des Gegenstandes und der genauen Controlle wegen erforderlich, dass ich die Beobachtungen in voller Ausführlichkeit vorlege, damit sie jeder spätern Untersuchung zu Vergleichungspunkten dienen können.—Bei der noch immer grossen Dürftigkeit unserer Kenntnisse in Betreff der individuellen Verschiedenheiten des Stoffwechsels sind solche Mittheilungen nie ohne Werth, und scheinen die Zahlen-Reihen ermüdend, so sind sie es doch nicht für den, der das richtige Verständniss damit verbindet.—Ich beginne also zunächst mit den Resultaten der Januar-Untersuchungen. Körpergewichtsbestimmungen wurden während derselben allerdings vorgenommen, allein die Waage erwies sich als unzuverlässig, und ich bemerke die Resultate derselben deshalb erst da, wo mir eine ganz genaue Waage zu Gebote stand. Hinzuzufügen habe ich noch, dass ich eine Grösse von 179 Ctm., eine Respirations-Grösse von 4000-4200 CC. besitze.—Die Harnstoffbestimmung wurde ohne vorherige Ausfällung des Chlor vorgenommen;—die freie Säure des fest verschlossen aufbewahrten Urins als Oxalsäure bestimmt; die Farbe nach Vogel’s Farbentabelle für den Urin (cf. Archiv des Vereins für gem. Arb. Heft 1.) angegeben;—das specif. Gewicht bei 20° C. bestimmt.
I. UNTERSUCHUNGSREIHE IN OLDENBURG.
6-7. Januar 1854.
| Mittlerer Barometerstand: 27′′ 3,6′′′ | Lufttemperatur: 1-1,5° R.[6] | ||||||||||||||||||||||||
| Tageszeit. | Einnahme: | Ausgabe: | |||||||||||||||||||||||
| Fluida. | Feste Speisen. | Urin | Faeces | ||||||||||||||||||||||
| Zeit. | Quantit. | Sp. Gew. | Reaction. | Farbe etc. | Zeit. | Quantität. | |||||||||||||||||||
| 8 | Uhr. | 300 | CC. | Milch | 70 | Gramm | Brod | stets klar | |||||||||||||||||
| 12 | Uhr. | 132 | CC. | 1023 | — | III. | |||||||||||||||||||
| 2 | „ | 15 | M. | — | 182 | „ | Fleisch | 2 | „ | 102 | „ | 1020 | — | III. | |||||||||||
| 406 | „ | Milchreis | |||||||||||||||||||||||
| 32 | „ | Dessert | |||||||||||||||||||||||
| 4 | „ | 200 | CC. | Caffee | 12 | „ | Zucker | 5 | „ | 153 | „ | 1020 | — | III. | |||||||||||
| 5 | „ | 30 | M. | 250 | „ | Wasser | |||||||||||||||||||
| 8 | „ | 30 | „ | 400 | „ | Milch | 72 | „ | Brod | 8 | „ | 293 | „ | 1017 | — | II‑III. | |||||||||
| 10 | „ | 30 | M. | 82 | „ | 1022 | — | III. | 10 | U. | 30 | M. | 6,06 | Grm. | |||||||||||
| 8 | „ | 405 | „ | 1012 | ,7 | — | III. | ||||||||||||||||||
| 24 St.: | 1150 | CC. | 774 | Gramm. | 24 St.: | 1167 | „ | 1017 | ,5 | sauer | III. | 24 St.: | 6,06 | Grm. | |||||||||||