Gegen Perrey’s Annahme muss es auch Bedenken erregen, dass Valentyn Beschrijving der Moluccos S. 2 in Oud en Nieuw Oost Indie der eine ausführliche Beschreibung der Insel Gross-Sanguir giebt, und alle späteren holländischen Schriftsteller keinen früheren Ausbruch dort erwähnen als den von 1711. Doch war die Insel den Holländern lange bekannt: 1625 hatten sie das Schiff Trouw daselbst verloren, 1664, nur 23 Jahre nach den drei gleichzeitigen Ausbrüchen kam überdies Ternate und damit auch die Insel Sanguir in ihren Besitz.
Am wahrscheinlichsten ist wohl der Vulkan auf der südlichsten Spitze Mindanao’s (Halbinsel Sarangani) als der Heerd des Ausbruchs anzunehmen, doch ist es nach dem Bericht des Jesuiten Magisa nicht möglich den Ort mit Bestimmtheit festzustellen. Die Position des Geschwaders ist unklar, die Richtung in welcher es die Erscheinungen beobachtete nicht angegeben. Die angeführten Entfernungen bekannter Punkte, meist um die Hälfte zu gering, zeigen nur dass diese Angaben werthlos sind. Der Verfasser berichtet vom Hörensagen, seinem Stande und seiner Zeit entsprechend, nicht geologisch sondern theologisch.
Durch eine ähnliche Betrachtung muss man sich trösten wenn in der sechsbändigen Historia de los P. P. Dominicos en las islas filipinas (Madrid 1870) mit Stolz hervorgehoben wird, dass allein Aduarte (der Dominikaner war) ein am 30. November stattgefundenes grosses Erdbeben beschreibe und dann seine Schilderung abgedruckt wird, jedoch mit der Jahrszahl 1619 statt 1610 (s. S. 6).
In Geschichten von Mönchsorden sind solche Irrthümer häufig und ziemlich unschädlich. Schlimmer ist es wenn sehr gelesene Zeitungen falsche Angaben in einer Form verbreiten, die den Stempel höchster Zuverlässigkeit trägt.
Die Illustrated London News 7. Oktober 1871 giebt die Abbildung eines neuen auf der Insel Camiguin in den Philippinen entstandenen Vulkanes und dazu folgende Erläuterung: »Der ehrenwerthe F. C. P. Vereker, Lieutenant zur See, Kommandör des zu hydrographischen Aufnahmen detachirten K. Grossbrit. Schiffes Nassau erfreut uns mit einer Skizze des vulkanischen Ausbruchs auf der kleinen Insel Camiguin, einer der nördlichsten der Philippinen in 19° N. und etwa 122° O. Gr.
Darauf folgt eine kurze Beschreibung des Ausbruches vom 1. Mai 1871 ohne Angabe des Datums . . Als der Nassau den Vulkan im Juli besuchte war er noch thätig, grosse Massen Dampf und Rauch drangen aus den Seiten und dem Gipfel, hin und wieder wurden auch Steine ausgeworfen. Zwei Offiziere die den Vulkan ersteigen wollten, mussten es wegen der Hitze des Bodens aufgeben.
Der Bericht hat einen fast amtlichen Klang, ist aber dennoch falsch; denn die gesperrt gedruckte Stelle ist vom Redaktör nach eigenem Ermessen eingeschoben, die vom Nassau besuchte und skizzirte Insel Camiguin liegt 9° N. 124° 20′ O. Gr., d. h. über 200 Leguas von der gleichnamigen Insel der Babuyanesgruppe entfernt, nach welcher der Redaktör das Ereigniss verlegt.
Nach Berichten aus Manila besteht sie aus drei Bergrücken: Catarman, Sigay und Maginog. Schon am 17. Februar wurden heftige Erdstösse mit starkem unterirdischen Geräusch wahrgenommen. Am 1. Mai 1871 bemerkten die Bewohner des kleinen Bergdorfes Catarman eine aus dem Boden aufsteigende Rauchsäule; um 7 Uhr NM. desselben Tages hörten sie plötzlich einen lauten Knall, und sahen sich von einer Wolke von Feuer und Steinen umgeben. Einige die sich in grösserer Entfernung befanden, wurden von dieser Wolke erreicht und an verschiedenen Stellen des Körpers verbrüht und verbrannt. Alles flüchtete an die Küste um die Insel zu verlassen, es waren aber nur wenige Fahrzeuge vorhanden. Die Zahl der Opfer muss sehr beträchtlich gewesen sein. Noch am 12. spie der Vulkan aus fünf Oeffnungen Rauch und Flammen aus.
Es scheint auf dem Gipfel des Berges von Catarman ein Kratersee vorhanden gewesen zu sein, dessen Wasserstand grossen Schwankungen unterlag. Zuweilen trocknete der See ein, einigemale floss er über und überschwemmte die Umgebung, so namentlich in den Jahren 1827 und 1862. Häufig wurde er durch Gasausströmungen in Wallung versetzt. Ein eigentlicher Ausbruch hatte in geschichtlicher Zeit nicht statt gefunden.