Gesund will ich werden, damit ich die zwei Leben weiterleben kann, das eine, des von lebendig-frischer Jugend umringten Schulleiters, und das des einsamen Mannes Erne Sörensen. — —
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Ganz still war es im Studierzimmer.
Die Dämmerung war hereingebrochen, sorglich hatte Frau Dietz die Vorhänge zugezogen und die grüne Studierlampe angezündet.
Denn der Genesende sollte immer Licht um sich haben, hatte der Leiter der Augenklinik ihr eingeschärft. Freilich nur gedämpftes, aber doch Licht.
Und lachen dürfe er vorläufig nicht arg laut, und weinen erst recht nicht, und schwere Aufregungen müßten ihm ferngehalten werden....
„Herr Geheimrat“, hatte die Frau Dietz geantwortet, „es wird Punkto alles so gemacht. Zu lachen gibt es nichts in Birkholz, und erst recht nicht für meinen Herrn. Und geweint hat der Herr Goliath wohl in seinem ganzen Leben noch nicht, und die Aufregungen schluckt er unter und denn sind sie weg. Auf die Schultern von meinem Herrn Sörensen kann man die ganze Welt packen, das ist ein wahrer Christophorus.“
Das war eine lange Rede gewesen und die Herrn Doktors hatten alle geschmunzelt....
Aber für außergewöhnliche Fälle, die gar nicht mit Lachen oder Weinen oder Aufregung zusammenhingen, hatte der Herr Geheimrat ihr keine Verhaltungsmaßregeln gegeben, und so war sie ganz und gar unschlüssig, ob sie die alte, weißhaarige Frau mit dem schwarzen Umschlagetuch und der wunderlichen Haube einlassen sollte.
Aber das schlanke, junge Mädchen, das daneben stand, schob das Mütterchen einfach durch die Tür und schaute Frau Dietz sehr energisch an. Du lieber Gott, die trotzigen Blauaugen kannte ganz Birkholz.....