„Order parieren, Gott vor Augen, den König im Herzen.

Wilhelm, Freiherr von Heidekamp-Birkholz.“

Es wurde Erne Sörensen warm ums Herz. — Und jung fühlte er sich mit einem Male. Nie war ihm Birkholz und sein neues Amt so lieb gewesen...

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Der nächste Vormittag brachte noch eine erregte Freiviertelstunde, die sich im Direktorzimmer abspielte. Fräulein Dr. Stavenhagen hatte in der Deutschstunde vorher in der ersten Klasse „geharnischte Sonette“ von Rückert vorgetragen und war infolgedessen bis an die Zähne gewappnet und wohl vorbereitet für das, was ihrer wartete. Sie fuhr sowohl mit dem Lehrer, als auch mit dem Vater Asmus in einer Weise ab, daß sich der Direktor ein paarmal ernstlich ins Mittel legen mußte.

Aber Sörensen fühlte, was dem Vater Asmus durchaus verborgen blieb, daß durch die prasselnden Vorwürfe der Lehrerin eine tiefe, mütterliche Besorgnis zitterte, und daneben machte sich der Korpsgeist der ehrenhaften Frau geltend, die sich gegen eine rohe, körperliche Züchtigung zweier junger Mitschwestern wehrte. „Sie hätten Junggeselle bleiben und Holzhacker werden sollen.“ rief sie dem Kollegen Asmus zu.

Und von da ab sagte sie gar nichts mehr, ließ alle Anklagen schweigend über sich ergehen, saß aber sprungbereit mit blitzenden Augen, wie eine verwundete Löwin.

Professor Rasmussen nahm die Sache ruhig. Aber Direktor Sörensen hörte aus jedem Satz des Sprechenden Verachtung gegen den Mann heraus, der sein wehrloses, schüchternes Kind um einer Lappalie willen mit dem Stock gezüchtigt.

Abschließend sagte Professor Rasmussen: „Für meinen Zuruf, der Herrn Asmus beleidigt hat, kann ich nicht um Entschuldigung bitten, denn ich hab’ ihn wortwörtlich gemeint. Es war die Besorgnis des älteren Mannes. — Wenn jemand herzkrank ist und dabei an Wutanfällen leidet, schützt ihn nur noch einigermaßen das Bett vor dem Sensenmann. Im übrigen bin ich Mitglied des Tierschutzvereins und schon deshalb werde ich mich immer im Gegensatz zu Herrn Kollegen Asmus befinden.“