»Eva,« sagte ich, »jetzt muß ich nur noch fragen, was ist aus ihm geworden? Denn ein ›reicher Mann‹ ist mir zuwenig für diesen Ausbund. Was ist er sonst noch?«

»Da fragen mich gnädig Frölen zuviel. Junker Clemens hatte große Pfunde bekommen, aber wie er damit gewuchert hat, ist mir verborgen. Für mich wird er allezeit der ›Junker‹ bleiben mit dem Übermut und dem Unverstand und dem goldenen Herzen. Wenn er auch längst in den Vierzigen sein muß und nie mehr herkommt und sein Unglück in Holland verschließt.«

»Sein Unglück, Eva?«

»Ach, so geht es nun, man wird geschwätzig. Gnädig Frölen können da kein Anteil nehmen, dazu ist die Verwandtschaft zu weit.« Überhebend zuckte sie die Achseln. Als gehöre ihr der Ritter Lage mit Haut und Haar. –

»Du nimmst doch auch Anteil an ihm, Eva, und bist gar nicht mit ihm verwandt.«

Sie sah mich an, lange schweigend an. – »An meiner Brust hat er getrunken …«, sagte sie dann ruhig.

Da faßte ich die alte Dienerin rundum und küßte sie. »Du hast recht, Eva, und ich habe geredet wie ein dummes Kind. Aber du weißt, ich bin einsam …«

Sie streichelte mich ungeschickt. »Hab’s nicht bedacht. Einsame Menschen haben oft Liebe zu aller Kreatur … Aber man verschließt es in sich … Ach, ich bin eine Schwätzerin …«

»Du bist meine liebe, gute Eva. Nun möcht’ ich dich nur noch fragen: Kann man dem ›Junker Clemens‹ nicht helfen? Wenn ein Lage im Unglück ist, so haut ihn die Sippe doch heraus …«

»Als ob ich den Junker selbst reden hörte. – Nein, gnädig Frölen, – dem kann keine Sippe helfen.« Sie sprach hastig und leise in mein Ohr. »Er hat rasch und unbedacht gefreit, – nun hat er ein irres Weib. Seit 20 Jahren! Das ist wohl Unglück. Und einen Knaben hatte er auch, – ein armes, unglückliches Kind, vielleicht ist’s lang gestorben, und – Gott walt’s. – Aber das ist mein Leid, daß der Junker nicht alles hat der alten Eva zu tragen gegeben. Hab’ mir den Kopf zergrübelt, weshalb er’s nicht tat. Bin drüber alt geworden, und man wird mich betten, ohne daß ich meinen Junker Clemens wiedersah.«