Wieder richtete sich Ritter Lage lebhaft auf. »Hat er den Tag und die Episode behalten? Das ist Freund Leo, wie er leibt und lebt. Knüpfte er keine Bemerkung daran?« Er sah mich forschend an.

»O doch. Er sagte, daß – ich diesem Figürlein aufs Haar gliche … Und – er fragte mich …«

»Du brauchst es nicht zu sagen. Ja, ich hab’ dich all mein Leben lang gesucht. – Geh fort, Gitti, du kamst zu spät …«

Da wollte ich wirklich gehen, aber er hielt mich in raschem Griff zurück. Es tat weh, so fest griff er zu.

»Willst du wohl, Wilde«, zürnte er. »Du sollst nicht immer gehorchen … Sieh, ich möchte zu Ende kommen mit meinem Märchen aus tausendundeiner – Wahrheit. – Wenn ich zu Ende bin, lasse ich dich sicher heimgeleiten. –

Gitti, – Freund Leo und ein anderer Freund, ein Arzt in München, hielten mich aufrecht. Sie sagten mir, daß ich mich mit Gespenstern plage, daß ich innerlich gesund sei, sie forschten und brachten gute Kunde … Ich wurde ruhig, wurde gesammelt und froh, trotz meines Leidens, das niemals Fortschritte machte, mich nicht ernstlich an ernster Arbeit hinderte. So wurde, wie allen echten Lages, die Arbeit meine Lebensgefährtin. Die andre – versagte ganz, sie steigerte sich in furchtbare Reizbarkeit und den berüchtigten Lageschen Jähzorn hinein … bis ihre Nerven zerrissen.

Das war mein Leben an ihrer Seite, Gitti.«

»Warum sagtest du mir nichts, Clemens? – Gleich, – als wir uns das erstemal sahen? – Oder warum schriebst du mir nicht, – daß – – sie lange, lange tot sei?« fragte ich langsam und leise, und meine Augen funkelten ihn durch Tränen an. –

Er verstand mich sofort und erschrak.

»O Gitti«, sagte er weich. »Auch diesen Kelch hab’ ich dich trinken lassen? Und konnte doch wissen, daß eine Gitti darunter leiden mußte, einen Mann zu lieben, der nicht frei war. – Erlaß mir die Antwort! – Es ist die eine so weh tuend für dich, wie die andere. Aber nun höre, wie du in mein Herz kamst, Gitti, – willst du es hören?«