Liselotte erzählte stürmisch und temperamentvoll die wichtigsten Ereignisse ihres jungen Daseins.

Daß ihre Lieblingspuppe Emmy ein schleichendes Fieber habe und schon seit einem Jahre ohne Kopf daliege, aber »zu süß« sei und gescheiter und netter als alle anderen dreiundzwanzig Puppenkinder, – daß ihr Papa ein grundgelehrter Professor sei und »Väterchen« heiße, daß ihre Mama schon seit vier Jahren im Himmel sei, gerade dort, wo er am Tage am allerblauesten sei und wo des Nachts der Abendstern stünde – – – so hätte es Väterchen ihr erzählt. Und daß die Base Juliane den Haushalt führe und die alte Trine koche und flicke und stopfe und schimpfe, aber sonst beinahe so lieb sei, wie Puppe Emmy, – nur eben leider mit Kopf.

Bei der Trine waren auch alle Puppen in »Penzion«, denn die Base Juliane erlaube nicht, daß Liselotte viel mit ihnen spiele, und es seien doch ihre Kinder, ihre süßen, wonnigen Kinder, die der Storch gebracht habe und der habe sie Liselotte, ganz richtig ins Bein gebissen, sie könne Bertold jeden Augenblick ihre große Zehe zeigen, wo die Narbe noch dran wäre.

Liselottes Phantasie war großartig und ging jeden Tag zwölfmal mit ihr durch, aber für den ernsten Jungen war es ein tiefes Glück, in die begeisterten Augen seiner kleinen Gespielin zu schauen.

»Bring’ mir nur deine Puppen,« meinte er, »ich will sie auch lieb haben.«

Diese Aussicht überwältigte Liselotte dermaßen, daß sie die Ärmchen um seinen Hals legte und ihm einen Kuß gab, worauf sie sich beide den Mund abwischten.

»Du bist ein lieber Junge,« rief Liselotte, »willst du Puppe Emmy heiraten, oder lieber Vater sein?«

»Vater sein,« erklärte Bertold, und die Sache war abgemacht.

Als Rektor Dillen die Pause für beendet erklärte, hatte man sich schon für denselben Nachmittag verabredet, um fünf Uhr nach den Schularbeiten auf Windemuths Oberboden zusammen zu kommen, und zwar sollte Bertold seine Amati mitbringen und Liselotte ihre sämtlichen Puppen.

»Und wenn Base Juliane es nicht erlaubt, dann werde ich brüllen und um mich schlagen, daß das Haus wackelt,« erklärte Liselotte, »dann darf ich’s schon, denn Väterchen braucht Ruhe.«