Nun sollte man in den restlichen 24 Städten einen großen Zuwanderungsgewinn vermuten, der die Juden über ihr Verhältnis stärkte; das gerade Gegenteil ist richtig. Trotz des Zuzugs vom Lande, der Kleinstadt, der zu erwartenden eigenen Vermehrung und der ausländischen Einwanderung, ist auch hier ein relativer Rückgang der Juden in der Bevölkerung eingetreten.
Es waren Juden unter 100 der Bevölkerung in
| 1900 | 1910 | ||
| 1. | Frankfurt a. M. | 7,6 | 6,3 |
| 2. | Köln | 2,6 | 2,4 |
| 3. | Königsberg | 2,1 | 1,9 |
| 4. | Wiesbaden | 3,5 | 2,5 |
| 5. | Kassel | 2,3 | 1,8 |
| 6. | Essen | 1,1 | 0,9 |
| 7. | Dortmund | 1,4 | 1,2 |
| 8. | Bonn | 1,7 | 1,4 |
| 9. | Münster | 0,8 | 0,7 |
| 10. | Duisburg | 0,9 | 0,7 |
| 11. | Gelsenkirchen | 2,2 | 0,7 |
| 12. | Bielefeld | 1,3 | 1,1 |
| 13. | Emden | 4,6 | 3,5 |
| 14. | Erfurt | 0,8 | 0,7 |
| 15. | Kattowitz | 7,1 | 6,9 |
| 16. | Hannover | 1,9 | 1,7 |
| 17. | Hagen | ||
| 18. | Zabrze | ||
| 19. | Marburg | 2,55 | 2,37 |
| 20. | Düsseldorf | 1,14[16] | 1,11 |
Bei einer Reihe von ihnen zeigt sich in 10 Jahren eine relative Abnahme der jüdischen Bevölkerung von 20-40%. Handelt es sich auch stellenweise um Orte, die durch Eingemeindung rasch anschwellen, die Tatsache bleibt dieselbe. Die kolossale Abnahme der Landbevölkerung hat zu keiner Vermehrung des jüdischen Anteils in den Städten geführt. Nur ein Ort in Preußen konnte sich von 1900 bis 1910 den gleichen prozentualen Stand der Juden wahren. Nämlich München-Gladbach 1900 und 1910 = 1,26 %.
Eine relative Zunahme finden wir in zwei Orten, in Fulda und Elberfeld, und selbst bei diesen beiden Orten ist der prozentuale Zuwachs minimal.
| Fulda | 1900 | : | 1910 | 4,0 | : | 4,25 % | der | Bevölkerung |
| Elberfeld | „ | : | „ | 1,06 | : | 1,13 % | „ | „ |
Wir haben bis jetzt der Entwicklung von Groß-Berlin noch nicht gedacht. Die verschiedenen Vororte von Berlin bilden bekanntlich mit der alten Hauptstadt längst ein organisches Ganze. Groß-Berlin insgesamt zählte[17] im Jahre 1900 4,35% Juden und 1910 nur noch 4,05% oder um ca. 7,5% weniger.
Die jüdischen Gemeinden in Deutschland haben sich somit relativ überall und selbst in den Großstädten und Industriecentren vermindert. Hier sank durchschnittlich der jüdische Anteil um 25%. In der Hälfte der Groß-Gemeinden trat auch eine absolute Abnahme der Bevölkerung ein, so daß ein Teil von ihnen zur baldigen Bedeutungslosigkeit verurteilt ist. Dieser Prozess ist keine auf Preußen beschränkte Erscheinung. Wir finden analoge Verhältnisse in den übrigen deutschen Staaten:
| in Hessen: Mainz | 3104 | (1900) | 2906 | (1910) | |
| im Elsaß: Mülhausen | 2466 | „ | 2287 | „ | |
| in Braunschweig: Braunschweig: | 861 | „ | 720 | „ |