3. am Steuersoll
(Gesamtsumme der Steuer)
Es waren noch einige Fragen, die hier einschlägig sind und denen eine gewisse Beweiskraft zukommt, anzuführen. Danach waren von den über 15 Jahr verstorbenen Juden nach meinen Auszählungen in den letzten Jahren (1905–1909) knapp ein Fünftel ledig. Die Behauptung, daß ein Teil der jüdischen Bevölkerung nicht mehr Anteil an der Fortpflanzung nimmt, wird auch hierdurch gestützt. Andererseits hat die Kindersterblichkeit und besonders die Säuglingssterblichkeit, die schon bei den Israeliten Deutschlands, besonders aber Berlins vor 100 Jahren eine sehr glückliche genannt werden kann, in unserer Zeit einen so hervorragenden Stand erreicht, daß sie schlechterdings nicht mehr viel herabgesetzt werden kann. Es trafen auf hundert Geburten im Jahre 1910 nur noch 13,5 gestorbene 0–15 Jahre alte Kinder. Das ist ein so günstiges Resultat, wie ich mich nicht erinnere, anderswo angetroffen zu haben.[15] Daß diese Sterblichkeit nur die in Berlin geborenen Kinder betrifft, bewies eine von mir diesbezüglich vorgenommene Auszählung. Es waren von den 1909 gestorbenen jüdischen Kindern nur drei Kinder außerhalb Berlins in Deutschland und 13 im Auslande geboren. Da ja auch einzelne Berliner Familien verziehen, so kann man wohl sagen, daß das Resultat einwandsfrei die Sterblichkeit der Berliner jüdischen Jugend wiedergibt. Aber auch die verstorbenen Erwachsenen wurden nicht ungünstig von der Beteiligung ausländischer Juden beeinflußt, wir haben gesehen, daß dieselben sich an den Eheschließungen mit 17 % beteiligen, an der Mortalität beläuft sich ihr Anteil auf 19 %.
Gerade die hervorragende Verbesserung der Mortalität bezeugt das soziale Aufsteigen der Juden. Diese überaus sympathische Erscheinung braucht nicht fortzudauern, da es fraglich ist, ob der großstädtische Nachwuchs aus den modernen Ehen, in welche angealterte Männer Geschlechtskrankheiten, Nervenleiden, Alkoholismus usw. mit sich bringen, dieselbe Lebensdauer erreichen werden. Der soziale Aufstieg bedingt noch keine konstante Verbesserung der Vitalität. Kommunale, nationale oder religiöse Vorkehrungen müssen wachthalten, daß die sozial günstig gestellten Klassen nicht degenerieren.
Tabelle IIb. Jüdische Sterblichkeit
| der Säuglinge (unter 1 Jahr) | in % der Geburten | der Kinder (0–15 Jahre) | in % der Geburten | |
|---|---|---|---|---|
| 1816–20 | 16 | 17,4 | nicht ermittelbar | |
| 1821–30 | 17 | 17,0 | " " | |
| 1831–40 | 23 | 16,8 | " " | |
| 1841–50 | 43 | 16,8 | " " | |
| 1851–60 | 61 | 16,3 | " " | |
| 1861–66 | 125 | 19,0 | " " | |
| 1880–84 | nicht ermittelbar | 1895 | 26,9 | |
| 1885–89 | " " | 1770 | 22,0 | |
| 1890–94 | " " | 1741 | 21,6 | |
| 1895–99 | " " | 1473 | 19,0 | |
| 1900–04 | " " | 1349 | 17,0 | |
| 1905–09 | " " | 1183 | 16,0 | |
| [1910 | " " | 13,5[16]] | ||
Tabelle IIc. Es starben ledige Juden in Berlin über 15 Jahre:
| 1905 | 197 | |
| 1906 | 190 | |
| 1907 | 231 | |
| 1908 | 186 | |
| 1909 | 202 | |
| zusammen | 1006 |
Tabelle IId. Sterblichkeit und Herkunft bei der jüdischen Bevölkerung Berlins.
| Unter 100 verstorbenen Juden waren | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| von den Kindern | über 15 Jahre alt | zusammen | |||||
| geboren in Berlin | 152 | (90½ %) | 83 | (10,5 %) | 235 | (24,6 %) | |
| sonst in Deutschland | 3 | (1½ %) | 553 | (70,2 %) | 556 | (68,1 %) | |
| im Ausland | 13 | (8 %) | 153 | (19,3 %) | 166 | (17,3 %) | |