Flieger Albert Bär, stud. med. aus Windsbach in Bayern;

Flieger Siegfried Nossek.

Fluglehrer und Flugdienstleiter war vom April 1917-1918 in Köslin, jetzt in Schneidemühl, Erich Oswald, der bereits August 1914 als Kriegsfreiwilliger bei der Fliegertruppe eingetreten ist und später als Beobachtungsflieger auf mehreren Kriegsschauplätzen verschiedene Ehrungen u. a. auch das Fliegerabzeichen sich erwarb. Von den übrigen Fliegern ist mir nichts Näheres bekannt geworden. Es ist z. Z. nicht möglich, das Schicksal jedes einzelnen zu erforschen und zu prüfen, ob unter den aufgeführten der eine oder andere aus der Zusammenstellung auszuscheiden hat. Hoffentlich ist es bei einer Neuauflage möglich, völlig genaue Angaben hier zu bieten. Der Verlag dieses Buches ist gern erbötig, alle Hinweise für uns zu sammeln, damit später einmal nach dem Krieg eine möglichst restlose Darstellung gegeben werden kann.

Der jüdische Lyriker Arthur Silbergleit hat einmal ein kleines Fliegerlied gedichtet, das launig endet:

»Wir schweben sanft aus unsrer Welt,

Der tollsten Abenteuer,

Ein jedes Fliegerherz ein Held,

Am Motor und am Steuer ...«

Diese Behauptung gilt — wie gesagt — cum grano salis. Aber wer für Leistungen da oben, wo es fürchterlich sein kann, sein Eisernes Kreuz I. Klasse abbekommen hat, hat es sich ehrlich »ersessen«. Wie manche Auszeichnung fällt sie oft Offizieren zu, die bei den hohen Stäben Intelligenz und treueste Pflichterfüllung als Aequivalent aufwiesen; der Dienst bei der Flugzeugwaffe erfordert eiserne Energie und täglichen Todesopfermut! Da es bekanntlich keine jüdischen aktiven Offiziere gibt und nur in Bayern vor dem Kriege Reserveoffiziere angetroffen wurden, gibt es keine bei höheren Stäben sitzenden jüdischen Offiziere. Die jüdischen Träger des »Eisernen Kreuzes« haben sich diese Auszeichnung redlich und mühselig im Feuerregen geholt, keine Anciennität, kein Schatten eines höheren wohlwollenden Vorgesetzten, keinerlei Beziehung hat ihnen diese Auszeichnung eingebracht. In der vordersten Linie hat er viel erkämpft nach Schillers Spruch »und setzet Ihr nicht das Leben ein«, ein Spruch der neben dem Grabenoffizier vor allem dem Flieger gilt. Wenn also allein Dutzende von »Eiserner erster« von Juden erflogen wurden, dann ist das wohl nicht der letzte Beweis ihrer Ertüchtigung. Nennen wir hier einige: Den Fliegerleutnant Richard Scheuer aus Mainz, den Fliegerleutnant Hermann Back, Sohn des Snichower Rabbiners Dr. S. Bach (jetzt in Prag). Vor dem Kriege war Back Prokurist der Firma Orosdi-Back, Konstantinopel. Die Schreibfeder und den Kontorsessel beherrschte ehedem der Beamte der Dresdner Bank Martin Jacobowitz, Sohn des Kaufmanns Hermann Jacobowitz in Breslau. Im Frühjahr erkämpfte der Vizefeldwebel Jacobowitz das »E. K. I.« in Mazedonien in einem heißen und erbitterten Ringen in der Luft, J. war in den ersten Mobilmachungstagen als Kriegsfreiwilliger beim Leib-Kürass.-Reg. schles. Nr. 1, eingetreten. Eine schwere Verwundung machte die Absetzung des einen Beines nötig, so daß J. jetzt Kriegsinvalide ist. Ein Landmann von ihm ist der Unteroffizier Hans Lustig, Sohn des Simon Lustig aus Radzionkau in Oberschlesien, der neben dem Eisernen Kreuz das Fliegerabzeichen besitzt. Als Flugzeugführer erwarben sich das Eiserne »erster« der Vizefeldwebel Kurt H. Weil, Sohn des Lehrers B. Weil in Kirn an der Nahe und der Unteroffizier Siegfried Heimann, der Sohn der Witwe Clotilde H. in Oberdorf-Bopfingen. Reich dekoriert sah einer meiner Gewährsleute einen bayrischen Fliegerleutnant Marx, der in Oesterreich wohnhaft war, auf Albatros oder L.V.G.-Doppeldecker als Flugzeugführer (zuerst als Vizefeldwebel) fliegen. »Er kam von der Fliegerschule Schleißheim bei München, mit ihm wurde ein jüdischer Unteroffizier ausgebildet, dessen Name nicht in Erfahrung zu bringen war«. Marx ist vermutlich identisch mit dem jüdischen Fliegerleutnant Adolf Marx der 5. bayerischen Feldfliegerabteilung. — Hierher gehört auch der Sohn des Zigarrenfabrikanten L. Wolff in Hamburg, der Ltn. d. Res. Wolff. — Auch die folgenden sind Ritter des E. K. I.

Ein Frankfurter ist der Flugzeugführer Edgar Rosenbaum (Sohn des Alex Rosenbaum), Fliegerschütze der Vizefeldwebel Alfred Regensburger, Sohn des Fabrikbesitzers Max R. in Fürth. Der Fliegerleutnant Paul Stadthagen aus Berlin, ist der Sohn des verstorbenen Justizrats Stadthagen. Bei der Fliegerabteilung steht ein jüdischer Oberleutnant Fränkel; die Nummer des »Hamburger Fremden-Blattes« vom 13. 12. 17 bringt das Bild des Fliegerltn. Rüdenberg aus Hannover. Vom Frieden her Flieger ist der Leutnant Willy Rosenstein aus Gotha, früher Fluglehrer in Gotha und Johannisthal, jetzt bei der Feldfliegerabteilung. Bei den Feldluftschifferabteilungen sind eine Reihe weiterer Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse, unter ihnen bei der Abteilung der Weilburger Kaufmann Berthold Jessel, der Referendar aus Berlin K. Rudolf Cohn und der Kaufmann Hermann Jonas aus Aplerbeck, Sohn des verstorbenen Kaufmann Abraham Jonas, sämtlich Leutnants der Reserve. Bei der Feldluftschifferabteilung steht der Oberleutnant Dr. Benno Öttinger, Patentanwalt seines Zeichens aus Berlin, ein Kaufmann und ein Leutnant d. Res. Max Strauß aus Frankfurt a. M. und Leutnant d. R. Erich Eliel, Kaufmann aus Köln, Sohn des Stadtverordneten L. Eliel. Aus Emmerdingen stammt der Leutnant Otto Erich Bloch, Führer einer Luftschiffertruppe. Bloch ist der Sohn des Emmerdinger Zigarrenfabrikanten Max Bloch. Und last not least: der Führer eines Zeppelin, der Leutnant d. R. Max Elias, Ingenieur von der Zeppelinwerft in Friedrichshafen, Max Elias ist der Sohn des Herrn D. Elias in Hannover. Er erhielt das Eiserne Kreuz II. als Luftschiffer bereits Anfang September 1914, das I. Klasse ziemlich bald nachher. (Ein Dr. Hermann Elias stammt aus Berlin[1]) Aber auch das Alter wollte der Jugend nicht nachstehen: ein Veteran der deutschen Luftschiffahrt, der 62jährige Herr Paul Spiegel aus Chemnitz trat August 1914 als Kriegsfreiwilliger beim Königlichen bayrischen Luftschifferbataillon in München ein. Spiegel ist nachweislich heute der Altmeister der deutschen Luftschiffahrt, ein Mann, der hunderte erfolgreiche Flüge mit dem Luftballon ausgeführt hat und als Bahnbrecher auf allen Gebieten der Aeronautik Jahrzehnte gewirkt hat. Da seine Bedeutung außerhalb der Geschichte des Flugzeugwesens im Kriege liegt, müssen wir es uns versagen, den eingehenden Lebenslauf dieses Veteranen zu bringen.