»Mein Eisernes Kreuz erster Klasse habe ich für drei Sachen erhalten: Einschießen des »Langen Heinrichs« auf Dünkirchen, bei dem ich mit noch einigen anderen Herren beteiligt war. Wir flogen in ziemlich heftigem Granatfeuer über der Stadt, und mein Beobachter signalisierte die Einschlagstellen bei dem Geschütz. Die Verwüstungen waren kolossal. Am 10. Mai 1915 schoß ich mit einem fünfschüssigen Selbstladekarabiner ein feindliches Kampfflugzeug herunter, das Maschinengewehr an Bord hatte. Die Franzosen gaben dieses auch in ihrem offiziellen Tagesbericht zu. Und schließlich hatte ich im Mai ca. 16 000 Kilometer an Aufklärungsflügen, Artillerie-Einschießen usw. in Feindesland hinter mir. Daß nicht immer alles ganz glatt gegangen ist, davon kann meine Maschine mit ihren ca. fünfzig Schußlöchern ein Lied singen (neulich wurde mir ein Knopf meines Mantels abgeschossen), dazu kommen noch etliche Notlandungen dicht hinter unserer Front und paar Stürze mit anderen Maschinen.«

Der amtliche Heeresbericht vom 6. Mai 1916 aus dem Großen Hauptquartier, der in allen Zeitungen veröffentlicht wurde, sprach erstmalig von ihm:

»Der Vizefeldwebel Frankl hat am 4. Mai einen englischen Doppeldecker abgeschossen und damit sein 4. feindliches Flugzeug außer Gefecht gesetzt. Seine Majestät der Kaiser hat seine Anerkennung für die Leistungen des Fliegers durch die Beförderung zum Offizier Ausdruck verliehen.«

Der Lebenslauf der meisten von uns angeführten Flieger liegt nicht vor. Aber auch die wenigen zugänglichen Mitteilungen verlangen ein gewisses Interesse. Es sind nicht immer erschütternde große Tragödien, nicht stetig Beispiele herakleischer Größe. Aber die Details, die in manchem Beispiel stecken, zeigen, daß der Makabaeermut in den jüdischen Herzen schlägt. So kann Max Holzinger ohne Ueberhebung in unsere Ehrentafel eingereiht werden. Als Sohn eines Fürther Fabrikanten (geboren 4. 11. 1892), diente er in seiner Vaterstadt beim bayrischen Trainbataillon 3 und begab sich nach seiner Entlassung nach London, wo er bei der General Electric-Compagnie tätig war. Er hätte dort zurückbleiben und sich internieren lassen können, wie es über Hunderttausend anderer Deutsche machten. Er zog es vor, in letzter Stunde, — da ihm die Ueberfahrt verboten wurde — durch List auf einen Kohlendampfer zu flüchten. In der Heimat angekommen, wurde er beim Train eingestellt, meldete sich aber von hier weg ins bayrische Alpenkorps und machte an der Front den Feldzug in Tirol mit. Bei den Kämpfen in Serbien wurde er im Herbst 1915 durch einen Arm- und Brustschuß verwundet. Wiederhergestellt kam er auf mehrfache Gesuche zur Fliegertruppe in Schleißheim.

Holzinger

Seinen Entschluß, zur Fliegertruppe überzutreten, gab er seinen Eltern in folgendem charakteristischen Briefe kund: »Liebe Eltern! Mit herzlichem Dank für Eure lieben jüngsten Zeilen, teile ich Euch heute mit, daß ich ab 1. September zu den Fliegern nach .... kommandiert bin. Eltern können derartige Schritte ihrer Kinder nicht billigen, aber versucht, meine Gründe, die mich veranlaßt haben, zu verstehen. Nicht Ehrsucht hat mich bestimmt, zu dieser Waffe zu eilen. Ich will mehr leisten in diesem furchtbaren Völkergemetzel, als meine Pflicht und Schuldigkeit. Meine kräftige Körperkonstitution hat in mir den Glauben und das Vertrauen erweckt, daß ich bei den Fliegern meinen Platz voll und ganz ausfüllen werde. Blühende Gatten, bärtige Väter sind hinausgezogen in den Kampf; sollte ich, ein junger, kräftiger Mann, zurückstehen! Ihr werdet sagen, ich sei gefühllos! Nein, nein und nochmals nein. Schreibt mir bitte keine Briefe — sie mögen noch so stark von glühender Liebe getragen sein — die mich weich machen. Ich brauche nun viel mehr Kraft und Sicherheit, als das tägliche Brot. Es ist gleich, wo man steht in diesem riesigen Kampfe; ich sah es auf verschiedenen Kampfschauplätzen. Hauptsache ist — Pflicht und Schuldigkeit — dann ist alles recht! Lebt wohl! Mit herzinnigen Grüßen in Liebe Euer treuer Max.«

Vom Trainsoldaten rückte er nun zum Fliegerleutnant auf und wurde wegen seiner glänzenden Leistungen zur Armee Oberkommando-Abteilung versetzt.

Nach den Mitteilungen eines Kameraden leistete Leutnant Holzinger besonders im Anfange der Abteilung gute Dienste, in dem er sich für Artillerie-Einschießen, insbesondere für die schwer zu beobachtenden kleinkalibrigen Batterien als am besten geeignet erwies. »Es kam anfangs wiederholt vor, daß, wenn unsere sämtlichen Offiziere beim Artillerie-Einschießen versagten, man einfach den »Kleinen Holzinger«, wie er gern genannt wurde, nach vorne schickte. Er hat die Aufträge dann meistens spielend erledigt. Recht gut bediente er auch als einer der ersten die funkentelegraphischen Einrichtungen im Flugzeug. Er war ein vorsichtiger Flieger. Bei den übrigen Offizieren, insbesondere bei den Vorgesetzten, erfreute er sich großer Beliebtheit. Das Ende seiner Tätigkeit ereilte ihn auf der Rückfahrt von einem Frontfluge, bei welcher sich in einer Höhe von zirka 3-4000 Meter eine Tragfläche loslöste und das Flugzeug zum Absturz brachte. Leutnant Holzinger und sein Flugzeugführer waren sofort tot.« (11. September 1917.)

Der Abteilungsführer der Feldflieger-Abteilung Armee Oberkommando setzte die Eltern davon mit folgenden Worten in Kenntnis: