Erschüttert lesen wir den Schwanengesang unseres Dichters Hugo Zuckermann, des Verfassers des bekannten österreichischen Reiterliedes, der nach schwerer Verwundung auf seinem Totenbette seine Makkabäergedanken in die wunderbaren Worte kleidete:
»Heute darf ich den Genossen
Makkabäerlieder singen,
Weil ich selbst ein Schwert getragen
Und mein rotes Blut vergossen ...«
Und noch ein anderer jüdischer Dichter hat in seinem Nachlaß ein Bild zurückgelassen, das ergreifend schlicht alles das in wenige Worte zusammenfaßt. Es ist das Bild des jungen 20jährigen Ludwig Franz Meyer, Sohn eines Sanitätsrats aus Gnesen, der um dieselbe Zeit im Frühjahr 1915, wie der ältere Walter Heymann und Hugo Zuckermann, vor Sochaczew tödlich verwundet wird und wenige Tage später stirbt. Aber sein Bild lebt und klingt wie die Synthese weichherzigen Judenschmerzes und kraftvollen Judenstolzes:
»Ich weinte lange, eh' ich Lieder sang.
Dann aber legten sich die weißen Tränen,
Und über mich kam kraftbeschwingtes Sehnen,