»O schönste Tochter von Kypros, ich hatte dich mondenlang nicht mehr gesehen. Ich konnte nichts denken als dich und deine berauschende Schönheit.«
»Nun, da muß ich wohl verzeihen. Das schwarze Stirnband Galatea! Du bist ein besserer Liebhaber als Staatsmann. Deshalb hab’ ich dich auch hier behalten. Ja, du solltest wieder nach Ravenna. Aber ich denke, ich schicke einen ältern Gesandten und behalte den jungen für mich. Ist’s recht so?« lächelte sie, die Augen halb schließend.
Alexandros, kühner und glühender werdend, sprang auf und drückte einen Kuß auf ihre roten Lippen.
»Halt ein, Majestätsverbrecher,« schalt sie, und schlug mit dem Flamingofächer leicht seine Wange. »Jetzt ist’s genug für heute. Morgen magst du wieder kommen und von jener Barbarenschönheit erzählen. Nein, du mußt jetzt gehn. Ich brauche diese Morgenstunde noch für einen andern.«
»Für einen andern!« rief Alexandros zurücktretend. »So ist es wahr, was man leise zischelt in den Gynäceen, in den Bädern von Byzanz? Du ewig Ungetreue hast –«
»Eifersüchtig darf ein Freund Theodoras nicht sein!« [pg 249]lachte die Kaiserin. Es war kein schönes Lachen. »Aber für diesmal sei unbesorgt – du sollst ihm selbst begegnen. Geh.«
Galatea ergriff ihn an der Schulter und drehte den Widerstrebenden ohne weiteres hinter die Statue und zur Thüre hinaus.
Theodora setzte sich nun aufrecht, das faltige Untergewand mit dem Gürtel schließend.