»Willst du die Wahrheit verleugnen? Bist du feige, Amelungentochter?«
Stolz schlug das Mädchen die Augen auf:
»Ich bin nicht feige und ich verleugne die Wahrheit nicht. Ja, ich liebe.«
»Und wen, Unselige?«
»Das wird mir kein Gott entreißen.«
Und so entschieden sah sie dabei aus, daß Amalaswintha keinen Versuch machte, es zu erfahren.
»Wohlan,« sagte sie, »meine Tochter ist kein gewöhnlich Wesen. So fordere ich das Ungewöhnliche von dir: dein alles dem Höchsten zu opfern.«
»Ja, Mutter, ich trage im Herzen einen hohen Traum. Er ist mein Höchstes. Ihm will ich alles opfern.«
»Mataswintha,« sprach die Regentin, »wie unköniglich! Sieh, dich hat Gott vor Tausenden gesegnet an Herrlichkeit des Leibes und der Seele: du bist zur Königin geboren.«
»Eine Königin der Liebe will ich werden. Sie preisen mich alle um meine Weibesschönheit: wohlan: ich hab’ mir’s vorgesteckt, liebend und geliebt, beglückend und beglückt, ein Weib zu sein.«